Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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In dem Häuschen dort am Strande sitzt ein alt verkümmert Weib ,
Hohl das Auge, weifs der Scheitel, hager und gebeugt der Leib.
Und am Fenster dieses Häuschens flimmert einer Lampe Schein,
Zeichnend eine Feuersäule weit ins nächt'ge Meer hinein.
Sagt, das ist doch nicht das Mädchen, einst so schön an Wuchs und Haar ?
Ja, dies Jammerbild ist Hogne, die so jung und reizend war,
Reiz und Jugend ist entschwunden, nur die Schwesterliebe nicht.
Und sie zündet ihrem Bruder immer noch das Sehnsuchtslicht.
Wohl die Schiffer sagten : »Hoffe nicht auf seine Wiederkehr,
Denn im Meeresschofs begraben sieht dein Licht er nimmermehr.
Doch sie sprach : »Ihr irrt, nicht lange mehr bin ich von ihm getrennt.
Und ihr werdet's draus erkennen , wenn die Lampe nicht mehr brennt."
Und wie früher stellet immer wieder sie die Lampe hin.
Und ihr Herz schifft auf dem Meere, in der Ferne schweift ihr Sinn,
Zittert auch die Hand am Rocken, wie der Lampe Flackerschein,
Hält doch fest ihr Herz am Glauben: »Bald ist er ja wieder dein!"
Und es sinkt ein Abend nieder, nebelschauernd zieht's einher.
Und die Lichter all verlöschen, öde ist's auf Land und Meer,
Aber auch in Hognens Fenster fehlt zum erstenmal der Schein —
Sollte wirklich ihr drr Bruder vom Geschick gegeben sein?
Und in freud'gem Aufruhr eilen hin die Nachbarn ohne Halt,
Seht, am Fenster lehnet Hogne, doch ihr Leib ist starr und kalt,
Wohl mit Wehmut da ein Jeder dessen, was sie sprach, gedenkt:
Denn die Lampe ist erloschen und der Bruder ihr geschenkt.

55. Die Begegnung.
Hell schaut der Mond aus den Wolken grau
Auf das Kloster La Trappe, auf den alten Bau ;
Aus den Zellen ringsum, so dumpfig und graus.
Sieht gespenstigen Auges die Nacht heraus.
Da schallen im öden, düsteren Gang
Sich Schritte entgegen mit hohlem Klang,
Zwei Mönche sind's — so finster und bleich.
Zwei Wandelnden aus dem Grabe gleich.
Sie haben geendet ihr Nachtgebet,
Nun jeder zurück zur Zelle geht,