Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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göttlichen Komödie Dante's lieferte; wenn er auch in Neapel zu einer
so populären Persönlichkeit wurde , dafs sogar der Lusfspieldichter Camerano ihn
als Don Augusto Prussiano dort aufs Theater brachte, so war er doch andrerseits
eben so sehr mit den altdeutschen Dichtern aufs innigste vertraut, war in Berlin
späterhin eine eben so allgemein beliebte und bekannte Persönlichkeit, die durch
ihre sprudelnde Unterhaltungsgabe und Kunst im Vorlesen die Seele aller Kreise
bildete, und wandte sein improvisatorisches Talent doch meist nur auf deutsche
Stoffe an. Und in beiden Ländern, in Italien wie in Deutschland , ist er nicht
nur als Dichter und liebenswürdiger Mensch , sondern auch durch bestimmtere
Thatsaohen als ein tüchtiger praktischer Mann bekannt. In Italien hatte er als
vorzüglicher Schwimmer das Glück, die weltberühmte blaue Grotte
(Grofcta azurra) auf Gapri zu entdecken, über die er in Reumont's
Taschenbuche, »Italia" von 1838 berichtet; in Deutschland machte er sich ebenso
verdient als Erfinder der Berliner patentierten Schnellöfen. Und trotz alle diesem,
trotz seiner zwischen Malerei und Dichtkunst, zwischen griechischer und italie-
nischer , wie altdeutscher und serbischer Poesie, zwischen der Kunst und dem
practischen Leben geteilten Interessen zeigt er sich doch überall als eine Natur,
die vermöge ihres Humors das Verschiedenartigste sich zu assimilieren und zu
einem Ganzen in sich zu verbinden versteht. So ist er eine bunte , krause und
doch in ihrer Originalität erquickende Persönlichkeit; und eben daher, was sonst
unerklärlich wäre, mag es gekommen sein, dafs er dem von innerer Krankhaf-
tigkeit zerrissenen Piaten so überaus teuer wurde; denn solche gesunde Natu-
ren, wie Kopisch, sind wunden und getrübten Seelen ein wahres Heilmittel.
Während Rückert, Piaten und F r e i 1 i g r a t h, nachdem Goethe durch
seinen Westöstlichen Divan den ersten Anstofs dazu gegeben hatte, sich
dem Orient zuwandten und Freiligrath sogar noch weiter auf dem Gebiete frem-
der Weltteile um sich griff, blieb Kopisch dagegen bei der Wahl
seiner Stoffe ganz und gar am deutschen Boden haften und
zeigte, dafs auch da die Quelle poetischen Gehalts noch nicht versiegt sei.
Teils die kleinen, niedlichen und schelmischen Sagen-
stoffe, teils die humoristischen Volkssch wanke beschäf-
tigen ihn vorzüglich; und wenn einer dazu berufen war , diese poetisch
zu gestalten , so war er es.
Nur ein so kindlich-sinniges, treuherziges Gemüt, wie er, konnte den volks-
tümlichen Schwänken, in denen die Krähwinkelei der deutschen Ortschaften,
die Bornirtheit der Kleinstaaterei und vorzüglich die unglaubliche Dummheit des
Klüglings zum Nutz und Frommen praktischer Lebensklugheit dargestellt werden,
Geschmack abgewinnen und selbst wieder geniefsbar machen. Dies thut er nun
vor allem in seiner Gedichtsammlung «Allerlei Geister." Hier purzeln
und springen, hier huschen und tappen die Elfen, die Hauskobolde, die Zwerg-
lein, kurz alle die Geisterohen des altdeutschen Heidentums kraus und bunt
durcheinander und spielen mit ihrem diensamen, aber unsichtbaren Thun , mit
ihrem Schmerz, von den Menschen sich so verkannt zu sehen, mit ihren necki-
schen Liliputterstreichen, mit ihrem scheuen und doch dem Menschen gern sich
zugestellenden Wesen überall die Hauptrolle. Oder es treten uns die hochweisen
Räte und Bürgermeister kleiner Orte entgegen, die, klug sich dünkend, einen