Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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17. Lebensworte.
In dem vollen Eosenbaume
Sprach der nahe Leichenstein:
»Ist es recht, in meinem Räume
Grofs zu thun und zu verhüllen
Meiner Sprüche goldnen Schein,
»Ach aus Grüften," sagt die Blüte,
»Ruft mich Gottes Macht und Güte,
Heller noch denn tote Schriften
Sein Gedächtnis hier zu stiften.
Und ich blühe tröstend fort.
Die allein mit Trost erfüllen?" — Ein lebendig Gotteswort!"
18. Niederes Los.
Zu der niedern Trauerweide,
Grünend an dem klaren Bach,
Sagt die Pappel: »Wachs' mir nach
Zu der Höhe stolzer Freude!"
Und die Weide sprach dawider:
»Pappel, neige dich hernieder
Zu des Baches frischen Wellen,
Wo mil' solche Freuden quellen,
Die du droben nicht genossen!
Schau', wie hier die Blumen sprossen
Und die Sterne sich erhellen!"
19. Seher.
»Halt ein mit Liederklange!"
Stöhnt aus dem Schlaf die Maus
Zur Amsel, die mit Sange
Begrüfst ihr Sommerhaus.
»Der Winter kann nicht weichen,
Des sind noch viele Zeichen,
Wind, Wolken, Eis und Schnee,
So weit ich ringsum seh'!" —
»Und zog er nicht von hinnen,"
Spricht froh die Sängerin,
»Der Lenz ist in mir innen
Erwacht mit frohem Sinn.
Doch kommt er. Es erspähen
Propheten fernes Licht,
Die Siebenschläfer sehen
Es in der Nähe nicht."
20. Die Bürger.
Bienen von dem Höchsten schwätzen.
Das an ihnen sei zu schätzen.
Eine meint, den ersten Preis
Soll man geben ihrem Fleifs.
Nein, der Kunst, glaubt eine zweite,
So den Bau und Seim bereite.
Einer dritten ist das Wahre,
Dasz man das Erworbne spare.
Andre sagen, schöner sei
Ihres Wohlthuns Lust hiebei.
Alles dies, heifst es dagegen,
Ist nur unsrer Eintracht Segen.
Und das Höchste ist der Mut,
Preisen andre, selbst sein Blut
In dem Kampfe hinzugeben.
— »Und das Allerhöchste ist,"
Ruft die Mutter in den Zwist,
»Jeder Tugend treu zu leben."