Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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Die Kinder sie hören es gerne.
»Rechtniäfsiger König er kehret zuiück,
Den Treuen verleiht er entwendetes Glück ;
Ich löse die Siegel der Schätze.
So rufet der Alte mit freundlichem Blick :
Euch künd' ich die milden Gesetze.
Erhole dich, Sohn! es entwickelt sich gut,
Heut einen sich selige Sterne,
Die Fürstin sie zeugte dir fürstliches Blut —"
Die Kinder sie hören es gerne.
ÜBER DIE BALLADE VOM VERTRlEBEiNEN UND ZURCCKKEHRENDEN
GRAFEN. (Ton Goethe.)
Die Ballade hat etwas Mysteriöses, ohne mystisch zu sein; diese letzte Eigen-
schaft eines Gedichts liegt im Stoff", jene in der Behandlung. Pas Geheimnifsvolle
der Ballade entspringt aus der Vortragsweise. Der Sänger nämlich hat seinen
prägnanten Gegenstand, seine Figuren, deren Thaten und Bewegung, so tief im
Sinne, dafs er nicht weifs, wie er ihn ans Tageslicht fördern will. Er bedient sich
daher aller drei Grundarten der Poesie, um zunächst auszudrücken, was die Ein-
bildungskraft erregen, den Geist beschäftigen soll; er kann lyrisch, episch, dra-
matisch beginnen und, nach Belieben die Formen wechselnd, fortfahren, zum Ende
hineilen, oder es weit hinausschieben. Der Refrain, dag Wiederkehren ebendes-
selben Schluföklanges, gibt dieser Dichtart den entschiedenen lyrischen Charakter.
Hat man sich mit ihr vollkommen befreundet, wie es bei uns Deutschen wohl
der Fall ist, so sind die Balladen aller Völker veiständig, weil die Geister in ge-
wissen Zeitaltern, entweder contemporan oder successiv, bei gleichem Geschäft
immer gleichartig verfahren. Übrigens liefse sich an einer Auswahl solcher Ge-
dichte die ganze Poetik gar wohl vortragen, weil hier die Elemente noch nicht
getrennt, sondern, wie in einem lebendigen Ur-Ei, zusammen sind, das nur ver-
brütet werden darf, um, als herrlichstes Phänomen, auf Goldflügeln in die Lüfte
zu steigen.
Zu solchen Betrachtungen gab mir die obenbezeichneto Ballado Gelegenheit;
sie i&t zwar keineswegs mysteriös, allein ich konnte doch beim Vortrag öfters be-
merken, dal's selbst geistreich-gewandte Personen nicht gleich zum ersten Mal
ganz zur Anschauung der dargestellten Handlung gelangten. Da ich nun aber
nichts daran ändern kann, um ihr mehr Klarheit zu geben, so gedenk' ich, ihr
durch prosaische Darstellung zu Hülfe zu kommen.
V. 1. Zwei Knaben, in einem waldumgebenen Ritterschlol's, ergreifen die Gele-
genheit, da der Vater auf der Wolfsjagd, die Mutter im Gebet begriffen ist, einen
Sänger in die einsame Halle hereinzulassen.
V. 2. Der alte Barde beginnt unmittelbar seinen geschichtlichen Gesang. Ein
1) prägnant (v. lat. praegnans) — gehaltreich.