Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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Die folgende Überschrift in »Ferneres über deutsche Lit." lautet: N e u e Lie-
dersammlung von Karl Friedrich Zelter 1821.
Diese Gelegenheit benutzt Goethe wiederum dieses seines »Lebensliedes" zu
gedenken.
»In derselben (Liedersammlung)" sagt er, »ist auch vorstehenden Lied (Um
»Mitternachl) enthalten ;ich lade meinein Deutschland ausgeeäe-
»ten Freundeund Freundinnen hierdurch s o h ö n s t e n s e i n ,
»sich es recht innigst anzueignen und zu meinem Andenken
»von Zeit zu Zeit bei nächtlicher Weile liebevoll zu wieder-
»holen. Man lasse mich bekennen, dafs ich, mit dem Schlag
»Mitternacht, im hellsten Vollmond aus guter, mäfsig auf-
»geregter, geistreich anmutiger Gesellschaft zurüc kehrend,
T>das Gedicht aus dem Stegrefe niederschrieb, ohne auch nur früher eine Ahnung
fidavon gehabt zu haben."*
Zur Erklärung des Gedichtes mögen folgende Gedanken dienen:
DES MENSCHEN LEBEN GLEICHT EINER STERNENHELLEN MITTERNACHT.
(Nach Goethes Gedicht » Um Mitternacht'^ von Härtung) ,
1. Der Mensch wandelt im Dunkeln, ohne seinen Lebensgang überschauen und
bere<ihnen zu können, gleich einem Wanderer um Mitternacht. Nur was vor
den Fülsen liegt, kann er gewahren und soll darauf achtgeben, um sich vor Schaden
zu hüten: das Ferne ist in Dunkel gehüllt. (»Denn selten schätzt er, was er recht
gethan, und was er thut, weifs er fast nicht zu schätzen", im Übrigen mufs er
Gott vertrauen)
2. In der Kindheit gleicht er einem Knaben, derum Mit-
ternacht über einen Kirchhofzum Hause seines Vaters, des
Pfarrers, gehen mufs, wobei er sich zwar der schönen blin-
kenden Sterne freut, aber doch einige Bangigkeit vor dem
Kirchhofe hat. Der Anblick der Sterne und der schönen Welt,
verbunden mit dem harmlosen J u g e n d g e f ü h 1, machen ihn
fröhlich, aber der Mangel an Einsicht und Erfahrung schaf-
fen ihm Gespenster.
3. Der begeisterte Jüngling, welcher von Gefühlen und Leidenschaf-
ten beherrscht wird, kommt uns vor, wie einer, welcher um Mitternacht zur Ge-
liebten geht, und dabei nicht blofs von dem Glänze der Gestirne, sondern auch
von der wundervollen-Pracht eines Nordlichtes entzückt wird.
4. Der reifere Mann läfst des Nachts den klaren hellen Vollmond in sein
Zimmer scheinen, und in diesem helleren Lichte, welches die Gegend fast schon
wie bei Tage, aber doch nur mit einem gewissen mystischen Halbdunkel, beleuch-
tet, überschaut er Vergangenes und Künftiges, doch nicht mit völliger Klarheit.
Andere vermögen seinen Lebensgang eher zu enträtseln, als er selber.