Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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I
Dichtern fast nur einen oder zwei gibt, welche von den ebenen und zahmen Pfaden
des Lebens in der Glut und Leidenschaft der Jugend nicht einmal ungestüm auf
die wilden und rauhen hinübergeschweift sind. Was ihnen zu Hilfe kam und
sie rettete, günstige Verhältnisse, eine gesellschaftliche Stellung, nachsichtige und
thätige Freunde — dem armen Bürger ist von dem allem wenig oder nichts zu
teil geworden. — Das wollen und dürfen wir nie vergessen.
Von dem »Klopstock-Schwindel" und dem ßardentum blieb Bürger stets frei; dem
Hainbunde gehörte er, der zu dieser Zeit auch schon in Altengleichen hauste, so
zu sagen, nur als »auswärtiges Mitglied" an.
Seine Bildung wurzelte tief in den Alten, in Shakespeare, Percy und
Herder; das volkstümliche Element spricht sich in seinen Dichtungen, unter
den Göttingern am reinsten und entschiedensten aus, wenn es sich allmählich auch
mehr und mehr ins Rohe und Platte, in das rein Bänkelsängerische verliert. Dies
gilt grade von der Ballade oder Romanze, in welcher Dichtungsart man sich ge-
wöhnt hat, Bürgers Hauptverdienst zu finden, und er hat in der Tnat hier die ersten
Muster- und Meisterstücke geliefert, denen Goethe und Schil-
ler, Uhland und so viele andere nacharbeiteten. Hier war P er -
cy's Sammlung vom gröfsten Einflufs auf ihn: mehr als eine seiner Balladen ist
nur eine Nacharbeitung der alten englischen Gedichte. Seine »Lenore" dagegen
ist eine ureigene Schö pfung seines Geistes, ein mächtiges, nie
»Dafs auch die-»Lenore" im wesentlichen durchaus Original, ist jetzt nicht
mehr bestritten. Die bekannte Recension in The Monthly Magazine, Sept. 1796
sagt übrigens auch nur, dafs die Lenore vielleich't durch the Suffolk miracle
veranlafst und macht sodann auf die eine, auch wirklich benutzte Strophe
aus Sweet Williams Ghost aufmerksam.
Die Benutzung deutscher Volkslieder beschränkt sich auf folgendes:
Herder wies (in seiner Recension von Althoffs Biographie) ein o s t p r e u fsi-
sches Zaubermärchen nach, in welchem die Verse vorkommen:
Die Mond scheint hell,
Der Tod reift schnell,
Feins Liebchen, grauet's dir?
»Und warum sollt' mir's grauen ?
Ist doch Feinslieb mit mir."
Dafs Bürger diese nämlichen Verse, weiter aber auch nichts, von einem Dienst-
mädchen, namens Christine gehört, erzählt Vofs in einer Anmerkung zu den zuerst
im Morgenblatt erschienenen Briefen über die Lenore.
A. W. Schlegel berichtete dann noch im Merkur von 1797 aus eigner Er-
innerung, dafs ihm Bürger mitgeteilt, er habe die Verse eines alten Volksliedes
Wo lise, wo lose
Rege hei den Ring
zu der bekannten Stelle der Lenore
»Ganz lose leise Klinglingling"
benutzt.
Die poetische Idee der Lenore ist dagegen eine sehr alte. In dem
indischen Gedicht nRaghuvansa' heifst es im 8. Buche:
Ok