Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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GOTTFRIED AUGÜST BÜRGER.
[1747—1794]
Lebensbild, zugleich Ehrenrettung.
))Meiner Palmen Keime starben eines bessern Lenzes wert."
Bürger.
Bürger wurde den 31 December 1747 zu Molmerschwende oder — wie der Name
des Dorfes jetzt lautet — Molmerswende im Halberstädtischen geboren, wo sein
Vater Prediger war. Doch kam er schon früh zu seinem Grofsvater und wurde von
diesem alsbald nach Halle aufs Paedagogium gethan, von dem er 1764 zur Uni-
versität überging, um Theologie zu studieren. Hier hatte, wie man sagt, der Phi-
lologe Klotz (den Lessing so tapfer aus dem Feld schlug) den schlimmsten
Einflufs auf ihn und führte ihn in das lockre Leben ein, so dafs schon hier der
Grund zu dem haltlosen Treiben gelegt wurde, in das er je länger desto mehr
verfiel. Der Grofsvater rief ihn entrüstet zurück, liefs ihn jedoch später nach Göt-
tingen gehen, um die Rechte zu studieren, zog dann aber, in neuer Entrüstung,
die Hand völlig von ihm ab. Freunde unterstützten den Mittellosen, ßoie interes-
sierte Gleim für ihn, nahm seine Gedichte in den Musenalmanach und bewirkte
endlich 1772 seine Anstellung als Amtmann in Altengleichen bei Güttingen. Die
Unterstützung, die ihm der Grofsvater jetzt gewährte, ging durch Betrug verloren,
die Ehe, welche er 1774 schlofs, wurde eine um so unglücklichere, als er bald
entdeckte, dafs er die jüngere Schwester der Frau liebte und Gegenliebe fand.
Von der nächsten Zeit kann man nur sagen: es schlug ihm alles fehl, es ging ihm
alles verloren, selbst die Achtung und Teilnahme seiner Umgebung, infolge der
schlimmen häuslichen Verhältnisse. Endlich legte er sein Amt nieder und ging nach
Göttingen, um hier als Privatgelehrter zu leben. Aber er kam aus Hunger und
Not nicht heraus, und als seine Frau starb und er endlich die Gehebte ™ die
gefeierte Molly — heiraten konnte, verlor er diese schon nach kurzer Zeit durch
den Tod. Da war es denn mit ihm aus. Er wurde noch Professor in Göttingen ;
er ging noch einmal eine Ehe mit dem sogenannten »Schwabenmädchen" ein,
das sich ihm brieflich antrug; .sie wurde, lichtsinnig geschlossen, noch unglückli-
cher als die frühere und bald getrennt, und Bürger slarb am 8. Juni 1794 in einem
Alter von sechs und vierzig Jahren. Sein Arzt versicheit, bei wenig Menschen, die
sich dem Tode so nahe gewufst, eine ruhigere Gemütsverfassung beobachtet zu haben.
Uber seine Schwächen und Verirrungen wollen wir den Schleier des Schweigens
und Vergebens decken. Sagen wir nur das Eine, dafs es unter unseren grofsen
Nicht »Molmerswerda", oder gar »Wolmerswerda" oder »Wolmerswende", wie
viele Literatuigeschichten haben.