Boekgegevens
Titel: Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
Auteur: Schwippert, P.A.
Uitgave: Haag: Henri J. Stemberg, 1881
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: Obr. 8058
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_201841
Onderwerp: Taal- en letterkunde naar afzonderlijke talen: Duitse letterkunde
Trefwoord: Literatuur (fictie en non-fictie), Duits, Gedichten (teksten), Leermiddelen (vorm)
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   Deutsche Poesie für Gymnasien und Realschulen
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VIII
gegenstellt, ist Bequemlichkeit, Trägheit, Scheu vor der physischen An-
strengung, also Willensschwäche und da diese gebrochen werden mufs, so
geht in letzter Instanz die Forderung des Lautlesens selbst aus einem
sittlichen Inter^se hervor. Um nicht inifsverstanden zu werden, bemerke
ich jedoch noch, dafs viele Kinder zu einem entgegengesetzten Lesen hin-
neigen, zum schreienden Lesen. Dies ist immer insofern besser, wenig-
stens bei Knaben, (denn zum weiblichen Wesen stimmt es nicht) weil sich
Kraff, wenn auch noch roh, und Bereitwilligkeit, sich anzustrengen, daiin
ausspricht. Natürlich ist jedoch dieser Fehler nicht zu dulden, vielmehr
auf Erniafsigung hinzuwirken, diese aber auch weit leichter zu erzielen, als
die Ablegung der entgegengesetzten Verwöhnung.
Häufiger noch machen sich Verstöfse gegen die Forderung des leichten
und fliefsenden Lesens bemerkbar. Wie oft stocken Schüler, setzen von
neuem an , holen mitten in einer Reihe zusammengehöriger Worte, wohl
gar mitten in einem Worte Atem ! Hier ist von Anfang an die gröfste Acht-
samkeit, das strengste Halten auf das Richtige notwendig ; eine Verbildung
kann durch diese Strenge nicht eintreten , so wenig als bei der Übung im
logisch richtigen Lesen. In mittleren und in oberen Klassen (bei besonders
fähigen und unbefangenen Knaben auch noch frühei-) wird sich dann ein
der Erfüllung künstlicher Forderungen wenigstens sich annäherndes Lesen
schon von selbst finden. Die Besprechung des- Charakters der gelesenen
und erklärten Stücke kann nicht anders als von förderndem Einflüsse sein.
Übrigens leuchtet von selbst ein , wie viel aucli für das in allen Hinsichten
gute Lesen durch alle übrigen Lektionen geschehen kann. Zunächst mufs
allerdings vom Lesen in der Muttersprache sich die Gewöhnung an ein gutes
Lesen der fremdsprachlichen Stücke übertragen, aber eine vorteilhafte Rück-
wirkung wird nicht ausbleiben , wenn beim Lateinisch- und Griechischlesen
auf deutliche , laute, tliefsende , logisch und ästhetische Pronunciation ge-
halten wird.
Was das Deklamieren betrifft, so scheint mir diese früherhin so
überwiegend , aber keineswegs mit entsprechendem Erfolge betriebene Übung
für jetzt noch wenig an der Stelle. Wer erinnert sich nicht mit einem halb
komischen , halb schmerzlichen Gefühle der Marionettenbewegungen, die er
in seiner Jugend in der Schule hat machen sehen, nach Gelegenheit auch
selbst gemacht hat ? Wir haben bis jetzt immer noch eine viel zu abstrakt-
geistige Erziehung ; unser Körper setzt uns Spiritualisten viel zu sehr in
Verlegenheit. Wo die Hände hinthun? Diese ängstliche Frage steht den
Meisten leserlich genug auf das Gesicht geschrieben, wenn sie nun heraus-
und hervortreten sollen , und nicht einmal ein hilfreiches Katheder sie in
seinen freundlichen Schutz nimmt. Da steht der Unglückliche. der sonst
immer durch die Tafel bedeckt ist, fiank und frei! Nur schüchtern heben