Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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594 IV. Teil. Kinderscliutz und Volkserzieliung.
Denn das Volkstheater soll auch wirklich eine Volksbildungsanstalt,
eine Anstalt zur Pflege künstlerischen Geschmackes sein.
Man hat gegen die Volksunterhaltungsabende, überhaupt alle
auf die Volksbildung hinauslaufenden Bestrebungen, aber ganz be-
sonders gegen jene, den Vorwurf erhoben, dafs sie in der Gegen-
wart nicht am Platze, dafs sie noch verfrüht seien. Man hat ge-
sagt, dafs der praktische Erfolg von Volksunterhaltungen bei dem
geringen Bildungsniveau der Besucher gleich Null sei, zum anderen
dafs, selbst wenn ein positiver praktischer Erfolg sich ergäbe,
Besucher und Veranstalter von Volksunterhaltungen Besseres und
Wichtigeres zu thun hätten, nämlich für die wirtschaftliche und
politische Hebung der breiten Massen des Volkes zu sorgen.
Wichtiger als für die gegenwärtigen humanitären, auf die Volks-
bildung sich erstreckenden Bestrebungen sei es z. B. mit aller
Energie für das Koalitionsrecht der Arbeiter einzutreten. Ja, es
giebt Leute, welche in allen vorhandenen humanitären Bestrebungen
sogar eine direkte Gefahr erblicken, indem sie von der Ansicht aus-
gehen, dafs dadurch der Blick für das andere, wirtschaftliche und
politische Hebung, getrübt werde; dafs diese Bestrebungen eine Ab-
lenkung, ein Hinwegtäuschen über die wirtschaftlichen und politi-
schen Mifsstände bedeuten. Nun ist es auch mir, wie ich ja schon
betonte, nicht zweifelhaft, dafs die Beseitigung der wirtschaftlichen
Notlage und die Erkämpfung politischer Rechte für alle diejenigen,
denen solche vorenthalten werden, die Hauptsache ist. Auch
das erkenne ich voll und ganz an, dafs die anderen Volksgenossen,
bei welchen diese Voraussetzungen nicht zutreffen, den Gerech-
tigkeitssinn haben sollten und müfsten, ihre Brüder und Schwestern
nach Kräften bei ihrem Ringen um wirtschaftliche und politische
Besserstellung zu unterstützen; dafs dies ihre Hauptpflicht sei.
Aber ich kann den Folgesatz nicht gelten lassen, nämlich den,
alle sonstigen, alle humanitären Bestrebungen, weil sie vorläufig
in zweiter Reihe stehen und nach der Lage der Dinge stehen
müssen, ruhen zu lassen. Ich stehe auf dem Standpunkte und
möchte denselben ganz energisch vertreten, dafs es nicht nur
möglich und angänglich, sondern durchaus berechtigt und not-
wendig sei, bei allem Nachdruck, den man auf die Hauptsache
legen soll und mufs, die Nebensache nicht zu vernachlässigen —
mit anderen Worten: das eine zu thun und das andere nicht zu
unterlassen.
Die Möglichkeit dessen zu bezweifeln und zu bestreiten, wird
niemand im Ernst wagen können; wer es dennoch thäte, den ver-