Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 63. Ästhetische Volkserziehung. Volksunterhaltungen. 587
dafs die Gesellschaft der Musikfreunde den Saal im nächsten Jahre
dreimal zur Verfügung stellte". Aufserdem ist es Dr. Reich, der
die „Grillparzer-Gesellschaft" für die Sache interessierte, gelungen,
von der Direktion des ,,Hofburgtheaters" zu erlangen, dafs
Sonntagsvorstellungen, für welche die Preise auf ein Drittel redu-
ziert wurden, gegeben wurden; diese Nachmittagsvorstellungen
haben sich trefflich als volkstümliche Einrichtung bewährt. Im
Jahre 1893/94 stellte Direktor Burckhard dem „Volksbildungs-
verein" für jede der 21 Vorstellungen 60 Plätze zur Verfügung,
welche der Verein in seinen Bibliotheken zu den festgesetzten
Preisen verkaufte. Unter den Käufern dieser Karten finden wir
270/g Beamte und Lehrer, 24 "/o Arbeiter, Gehilfen und Lehrlinge,
22 "/q Studenten, 17®/o Frauen und Mädchen. Später wurden dem
„Volksbildungsverein" stets je 70 Karten zur Verfügung gestellt.
Zudem veranstaltet der Wiener „Volksbildungsverein" auch stets
Volkskonzerte und volkstümliche Rezitationsabende: im Winter
1897/98 fanden 46 Volkskonzerte und 25 Rezitationsabende statt,
dazu kamen noch 3 Konzerte und 2 Rezitationsabende für Lehr-
linge im VI. Bezirk. Endlich ist in Wien seit einigen Jahren
eine starke Volksbühnen-Bewegung im Gange; aber sie ist oder
war doch bis vor kurzem nur immer noch „im Zuge", wie Fritz
Telmann in einem Artikel „Von der Volksbühnen-Bewegung in
Wien" in der „Volksunterhaltung" sagt. — Auch in Russland
haben die Volksunterhaltungen Eingang gefunden, so in Moskau,
nach einem Artikel Leo Reingolds in München „Volksunterhal-
haltungs-Bestrebungen in Moskau" in No. 18. des VI. Jahrgangs
der „Ethischen Kultur"; und in Warschau veranstaltete im Juni
1899 das „Mäfsigkeits - Komite" ein grolses Volksfest, dessen
Hauptanziehung die Vorstellungen der vortrefflichen Schauspieler
des Warschauer grofsen Theaters bildeten: der Eintrittspreis betrug
10 Kopeken (ungefähr 0,20 Mark), die künstlerische Leitung des
ganzen Festes hatte Maryan Gawalewicz, ein auch in Deutschland
bekannter Dichter und Litteratur-Historiker. Desgleichen haben
in England die Volksunterhaltungsabende festen Fufs gefafst; so
berichtet Ernst Schultze in der Zeitschrift „Der Bildungs-Ver-
ein" über einen solchen in Birmingham, den er selbst besucht hat.
3—4000 Personen waren anwesend und lauschten andächtig dem,
was geboten wurde; dasselbe bestand in Musik, Gesangstücken,
Violin- und Orgelvorträgen, und in Deklamation, nämlich der
Rezitation von Dickens' „Christmas Carol". Der Eintritt war ganz
frei; nur die „geschmackvoll" ausgestatteten Programme wurden