Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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548 IV. Teil. Kinderscliutz und Volkserzieliung.
schaffen den Anforderungen der Hygiene gemäfs Wohnstätten sein
müssen, wie Kinder zu pflegen und zu erziehen sind, was zu ge-
schehen hat, um Infektionskrankheiten wirksam zu bekämpfen
u. dgl. m. Alle seine Gedanken drehen sich nur um das Eine,
um Brot. Gebt ihm erst auskömmlich Brot, verschafft ihm erst
eine menschenwürdige Wohnung, verhelft ihm erst zu genügend
freier Zeit, damit er sich auch auf anderes besinnen, um anderes
kümmern, an anderem Interesse haben kann, dann wird er kommen!
Nicht überall steht es so schlimm, aber in der weitaus gröfsten
Zahl der Fälle. In Jena hegen die Dinge im ganzen recht günstig;
darum haben wir hier auch gute Erfolge mit unseren Volksbildungs-
Bestrebungen und -Veranstaltungen zu verzeichnen. Aber nicht
überall ist es so bestellt; nicht überall giebt es eine Carl Zeifs-
Stiftung und einen obersten Fabrikleiter wie Professor Abbe.
Alles, was ich zu sagen habe, wird demnach im wesentlichen erst
für die neue Gesellschaft, für die Gesellschaft von morgen Be-
deutung und Wert haben. Heute können alle die schönen Dinge, von
denen ich sprechen will, nur wenigen, verschwindend wenigen zugute
kommen. Der soziale, der Kultur-Pädagog ist eben in jeder Hinsicht
ein Zukunfts-Musikant; dieser traurigen Wahrheit dürfen wir uns
nicht verschliefsen: alles, was er wünscht, kann er nur wünschen
im Hinblick auf die Zukunft. Trotz dieser Resignation werde ich
jedoch stets freudig das Gute, was schon jetzt gewirkt wird, an-
erkennen und in gebührende Beleuchtung rücken. Zudem ist darauf
aufmerksam zu machen, dafs gerade die soziale, die Kultur-Pädagogik
viel zur Herbeiführung günstigerer ökonomischer Bedingungen durch
die Erziehung, welche sie als die richtige und ideale verkündet,
beizutragen vermag, durch die Erziehung nämhch, welche die
Weckung und Stärkung des Solidaritäts-Bewufstseins sich zur Auf-
gabe macht. Indem der soziale, der Kultur-Pädagog den sozialen
Geist in den Kindern auch der herrschenden Kreise aufs sorgfaltigste
pflegt, diesen die Augen über ihre Pflichten der Gesamtheit gegenüber
öffnet, sie zur freudigen und begeisterten Hingabe an die Gemein-
schaft, in der sie leben, zur freudigen und begeisterten Arbeit am
Gemeinwohl hinführt, wirkt er als Bahnbrecher im Dienste einer
wirtschaftlichen Neuordnung, einer ökonomischen Reform der Ge-
sellschaft. So kann man auch in dieser Hinsicht mit Recht sagen:
alles zu Hoffende ist Erziehung! Auch darf nicht übersehen
werden, dafs Volksbildung bezweckende Einrichtungen, mögen sie
auch unter den obwaltenden Verhältnissen nur einer kleinen Minder-
heit des handarbeitenden Volkes, den schon materiell besser ge-