Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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540 IV. Teil. Kinderscliutz und Volkserzieliung.
Zahl der Fälle durch den Mann. Der Mann ist es zu allermeist,
der als Verleiter und Verführer auftritt. Das erkennen alle vor-
urteilsfreien und ehrlichen Männer selbst an, so Taube, bei dem
wir u. a. lesen: „Besonders der Mann mufs mit wenigen Ausnahme-
fällen als der Verführer bezeichnet werden;" so Bulling, bei dem
es heifst: „Angenommen, man exportierte die sämtlichen leicht-
sinnigen Mädchen, so würden aus den zurückgebliebenen braven,
die der Verleitung der Männer erlägen, die leichtsinnigen bald
wieder erstehen." Und was im besonderen die weibliche Leicht-
fertigkeit betrifft, welche der § 1717 des „Bürgerlichen Gesetz-
buches" unschädlich machen will, so habe ich schon darauf hin-
gewiesen, dafs dieselbe nur sehr selten vorkommt. Aufserdem
ist hierbei noch zu bedenken, dafs die Personen, welche so ver-
wahrlost sind, sich mehreren Männern zu gleicher Zeit zum Bei-
schlafe hinzugeben, gewöhnlich Dirnen sind, die überhaupt gar
keine oder syphilitische Kinder, die nicht lebensfähig sind, gebären,
so dafs also hier die Alimentations-Ansprüche von selbst wegfallen.
Sollten diese Dinge dem Gesetzgeber unbekannt gewesen sein?
Das ist nicht wohl anzunehmen. Vielmehr dürfte das das Richtige
sein, wenn man § 1717 des „Bürgerlichen Gesetzbuches" ebenfalls
als eines der vielen Beispiele vom Schutze des Lasters des Mannes
durch den Mann betrachtet, ein Schutz, der so weit geht, dafs er
das Gedeihen eines unschuldigen Kindes in Frage stellt und das
Wohl der Gesellschaft mifsachtet und gefährdet.
Weiterhin ist, um in allen den Fällen, wo der uneheliche
Vater sich nicht freiwillig zur Alimentierung versteht, dessen
zwangsweise Heranziehung zu erleichtern, noch Folgendes zu
beachten. Der unehelichen Mutter mufs das lange Suchen
nach einem Vormund für ihr Kind behufs Einbringung
der Klage erspart werden. Das kann auf doppelte Weise ge-
schehen; entweder dadurch dafs der unehelichen Mutter die volle
elterliche Gewalt zuerkannt wird, sie also auch zur Vertretung
ihres Kindes berechtigt ist, oder dadurch dafs in jedem Gemein-
wesen von vornherein eine Person zum Vormund für die
in demselben geborenen unehelichen Kinder bestellt wird,
bezw. dafs in grofsen Gemeinwesen mehrere solche Personen vor-
gesehen sind. Vom prinzipiellen, besonders, nach Bullings und
Harmenings Ausführungen, vom logisch-juristischen Standpunkt
aus scheint das erstere das der Sachlage Entsprechendere zu sein;
aber für besser und praktischer halte ich das letztere aus folgen-
den Gründen.