Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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538 IV. Teil. Kinderscliutz und Volkserziehung.
wird nun, wenngleich nicht die Beseitigung, so jedenfalls eine
Einschränkung der unehelichen Geburten zur Folge haben; so hohe
Zahlen, wie jetzt die Statistik aufweist, betrug doch im Jahre
1891 die Zahl der unehelichen Geburten in Deutschland 170572,
dürften alsdann wohl nicht mehr erreicht werden.
Ist aber, woran nach dem Gesagten wohl nicht mehr ge-
zweifelt werden kann, die energische Heranziehung des unehelichen
Vaters zur Alimentierung wirklich als unbedingt notwendig zu be-
zeichnen, so leuchtet von selbst ein, dafs in allererster Linie die
rechtsverbindliche Festlegung der unehelichen Vater-
schaft so leicht wie möglich gemacht werden mufs. Gerade das
Gegenteil dessen bewirkte der erwähnte Bescholtenheits-Paragraph
des preufsischen Gesetzes. Es ist daher als ein grofser Fortschritt
zu begrüfsen, dafs das „Bürgerliche Gesetzbuch" denselben in
richtiger Erkenntnis seiner grofsen Nachteile fallen gelassen hat.
Die „Motive" heben ausdrücklich und treffend hervor (§ 889), dafs
der Begriff der Bescholtenheit „wegen seiner Unbestimmtheit und
Dehnbarkeit" praktisch in hohem Grade „bedenklich" sei. „Für
einen Beklagten, der nicht zahlen will", heifst es u. a. wörtlich,
„bietet die Einrede der Bescholtenheit ein erwünschtes Mittel,
den Versuch zu machen, sich seiner Pflicht zu entziehen". Dafs
sehr viele diesen Versuch thatsächlich und zwar in nicht seltenen
Fällen mit dem besten Erfolge unternommen haben, steht ganz
unzweifelhaft fest. Wer die menschliche Natur kennt, wird sich
über das erstere, und wer weifs, wie leicht einem Mädchen, das
sich einen Fehltritt hat zu Schulden kommen lassen, etwas
nachzusagen und anzuhängen ist, über das andere nicht allzu sehr
verwundern.
Hat das neue bürgerliche Gesetzbuch in dieser einen Hinsicht
also die rechtsverbindliche Festlegung der unehelichen Vaterschaft
erleichtert und so das Interesse des unehelichen Kindes und der
Gesamtheit besser gewahrt als das frühere Gesetz, so steht es da-
gegen in einem anderen Stücke noch ganz auf dessen unsozialem
Standpunkte, indem es nämlich die exceptio plurium concumbentium,
den Wegfall der Unterhaltspflicht, falls die Mutter mit noch einem
anderen Manne während der Empfängniszeit geschlechtlich verkehrt
hat, verordnet. Es ist dagegen von den verschiedensten Seiten
mehr oder weniger lebhaft protestiert worden. Vom juristischen
Standpunkte aus thut es Bulling in seiner Broschüre „Die Rechte
der unehelichen Kinder", mit Rücksicht auf das Kind und die
Gesellschaft Taube. Beide erklären sich demgemäfs für Streichung