Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 58. Von sonstigen sozialen Mifsständen herrührende Gefahren. 533
seiligen Funktionen", aus welchen es sich zusammensetzt; sie treibt
den Vater ins Wirtshaus und das Kind auf die Strafse, der Ver-
führung und dem Laster in die Arme. Kurz: das blofse
Wohnen vieler Kinder, besonders in den grofsen Städten,
bedeutet für sie schon Verwahrlosung, indem es jeg-
liches gesundes Familienleben unmöglich macht. Ein
Wandel zum Bessern in dieser Beziehung, wie überhaupt ganz
allgemeinhin, ist denkbar nur auf der materiellen Grundlage der
Lohnerhöhung und gesetzlichen Festsetzung einer Minimallohn-
grenze, der staatlichen Arbeitslosenversicherung, der Arbeitszeit-
verkürzung und Besserung der Wohnungsverhältnisse; es mufs
hinzukommen die Hebung des allgemeinen Niveaus in ethischer
wie intellektueller Hinsicht. Grundlegend ist jenes; denn
eine günstige soziale Lage erleichtert die sittliche und
intellektuelle Hebung, während bei drückenden sozialen
Verhältnissen alle Bestrebungen, eine solche Hebung
herbeizuführen, mit gröfster Mühe doch nur sehr ge-
ringe Erfolge erzielen. Die billige After Weisheit der idea-
listischen Phraseologen spricht freilich vor allen Dingen von der
geistigen, besonders sittlichen Hebung des Volkes, was ganz natür-
lich ist; denn diese kostet ihnen nichts, verlangt von ihnen keine
grofsen Opfer: ein wenig „christlicher Zu.spruch", von dessen
Wirksamkeit man selbstverständlich a priori festest überzeugt ist,
genügt da. Als ob in Elend und Schmutz verkommende Menschen,
welche von Laster und Verbrechen gleichsam von allen Seiten um-
zingelt und eingeschlossen werden, überhaupt sittlicher Hebung
fähig wären ohne Beseitigung der Ursachen, die ihre Verlotterung
bedingen! Ein Mädchen, das blofs die Wahl hat, zu hungern oder
sich zu prostituieren, wird das letztere thun, trotz allen „Zu-
spruchs". Man verschaffe ihm hingegen eine wirklich lohnende
Beschäftigung, eine Arbeit, von deren Ertrag es ein menschen-
würdiges Dasein zu führen imstande ist, und es wird gewifs,
wenigstens in der grofsen Mehrzahl der Fälle, gern bereit sein,
ein ehrbares Leben zu führen.
S 59.
Besondere Beachtung verdient die Fürsorge für die un-
ehelichen Kinder wegen der Gefahren, denen diese durch ihre
uneheliche Geburt ausgesetzt sind. Ich habe schon früher darauf
hingewiesen, dafs erwiesenermafsen die Unehelichen sehr stark in
der Prostitution und der Kriminalität vertreten sind. Hier gilt