Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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526 IV. Teil. Kinderscliutz und Volkserziehung.
Beginn des Unterrichtes am nächsten Tage und Verbot der Be-
schäftigung von Kindern unter 12 Jahren. Weifs verlangt:
„Verbot gewerbsmäfsiger Kinderarbeit bis zum vollendeten 12.
Lebensjahre, dann an Sonn- und Feiertagen, während der Nacht-
zeit und in unmittelbarem Anschlufs an die Schulzeit." Die Re-
solutionen, betreifend die Kinderarbeit und die Arbeit der jungen
Leute in gewerblichen Anlagen, welche der „Bericht der Kom-
mission über die Arbeit der Kinder und jugendlichen Arbeiter in
gewerblichen Anlagen" innerhalb der „Protokolle der internatio-
nalen Arbeiterschutzkonferenz" im Jahre 1890 enthält, sind jetzt
gegenstandslos. Dagegen sei noch erwähnt, dafs auf dem inter-
nationalen Kongrefs für Arbeiterschutz, der im Jahre 1897 in
Zürich tagte, folgende Thesen nebst dem Antrage, die aufgestellten
Forderungen auch auf die Hausindustrie auszudehnen, mit 132
gegen 75 Stimmen angenommen wurden.*) Die Thesen lauten:
„1. Kindern im Alter von unter 15. Jahren ist jede Erwerbsthätig-
keit zu verbieten. Bis zum vollendeten 15. Altersjahr sind sämt-
liche Kinder verpflichtet, die Volksschule zu besuchen. 2. Junge
Leute und Lehrlinge im Alter von 15—18 Jahren dürfen täglich
nicht länger als acht Stunden beschäftigt werden; nach 4 Stunden
ununterbrochener Arbeit mufs eine Pause von mindestens 1^/2
Stunden eintreten. 3. Innert dieser Arbeitszeit ist den Lehrlingen
und jungen Leuten die erforderliche Zeit zum Besuche allgemeiner
und beruflicher Fortbildungsanstalten zu gewähren. 4. Jungen
Leuten und Lehrlingen bis zu 18 Jahren ist jede Erwerbsthätig-
keit an Sonn- und Feiertagen ohne Ausnahme zu verbieten." Diese
Forderungen kommen, wie man sieht, den im Namen der Kultur-
Pädagogik erhobenen am nächsten.
Deren Forderungen entziehen allerdings dem Broterwerb der
Familie eine grofse Anzahl von Hilfskräften, aber, wie ich wieder-
holen möchte, im Interesse der Gesellschaft und aus Humanitäts-
Rücksichten. Aufserdem ist Folgendes zu bedenken. Das Aufhören
der Kinderarbeit und die Beschränkung der Arbeit junger Leute be-
deutet die Beseitigung einer nicht unbeträchtlichen Menge von Kon-
kurrenten auf dem Arbeitsmarkt und von Lohndrückern. So ist
schon jetzt vielfach, was als eine Folge der neueren gesetzlichen
Bestimmungen anzusehen ist, Abneigung gegen Beschäftigung von
Kindern und jungen Leuten, namentlich von Kindern, in Fabriken
vorhanden. In einer grofsen Anzahl der Aufsichtsbezirke kommt
*) Man vergleiche: „Das Protokoll über die Verhandlungen des Gesamt-
Kongresses vom 23. bis 28. August 1897.'