Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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522 IV. Teil. Kinderscliutz und Volkserziehung.
bedarf, um ein wahrhaft tüchtiges und nützliches Mitglied der
Gesellschaft dereinst sein zu können, so wird eine mehr als sechs-
stündige Arbeitszeit von einem Jüngling oder jungen Mädchen
vom sechzehnten bis zwanzigsten Lebensjahre nicht verlangt werden
können. Das entspricht sowohl den Forderungen der Menschlich-
keit, welche der Jugendzeit ihren Zauber gewahrt wissen will,
als auch dem wahren Interesse von Staat und Gesellschaft.
Vor dem sechzehnten Lebensjahre müfste aber über-
haupt jegliche erwerbsmäfsige Arbeit der Heranwachsen-
den strengstens untersagt werden. Man wende doch nicht
ein, dafs das einen grofsen Teil der Kinder der Bummelei und Ver-
lotterung aussetzen hiefse. Die Erziehung, so ernst genommen,
so umfassend gestaltet, wie die Kultur-Pädagogik es vorschreibt,
läfst eine solche Gefahr als ein leeres Schreckgespenst erscheinen,
als einen Popanz, den nur der krasseste Egoismus in der Maske
der um das Wohl der Kinder ängstlichst besorgten Vorsicht zu
einer Wesenheit aufbauschen kann. Freilich eine solche Er-
ziehung haben wir noch nicht; eine solche Erziehung ist vorläufig
blofs ein Ideal. Aber indem ich für dieses Ideal mit aller Ent-
schiedenheit eintrete, indem seine Verwirklichung mir als der einzig
erstrebenswerte und normale, als der, der modernen Kulturgesell-
schaft allein würdige Zustand erscheint, mufs ich mit derselben Ent-
schiedenheit auch für alle Konsequenzen eintreten, welche sich daraus
ergeben. Da kommen jedoch wieder andere und weisen darauf hin,
dafs die thatsächlichen sozialen Verhältnisse es nicht gestatten, so
weit gehenden Forderungen gerecht zu werden. Das ist zweifellos
richtig; es beweist das aber nur, dafs wir alles daransetzen müssen,
diese Verhältnisse zu bessern oder vielmehr vollständig umzuge-
stalten. Bei den bestehenden Zuständen ist überhaupt auf keiner Seite
ein Anderswerden möglich; helfen kann uns blofs eine gründliche
Umwälzung der alten verrotteten Ordnung der Dinge. Darüber
bin ich mir natürlich vollkommen klar, dafs die Kultur-Pädagogik
ihr Programm erst dann zur Durchführung bringen kann, wenn
die vorhandene, auf der Grundlage des Egoismus aufgebaute Ge-
sellschaft, welche das beständige bellum omnium contra omnes in
erschreckendster Weise darstellt; welche dem Prinzipe der Aus-
beutung möglichst vieler zu Gunsten möglichst weniger huldigt;
welche die Massen, um sie besser plündern zu können, in Dumm-
heit und Roheit dahinleben lassen will, hinweggefegt worden ist
und von einer Gesellschaft ersetzt sein wird, welche auf ihre
Fahne das Losungswort geschrieben hat: alle für einen und einer