Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 55. Gefahren der Erwerhsthiltigkeit der Kinder. 521
die Schule kommen und in dem nämlichen Zustande ihre häuslichen
Schulaufgaben erledigen müssen. Man mufs durchaus Jacobi bei-
stimmen wenn er sagt: „Frühe Kinderarbeit schädigt die Schul-j;
bildung und Erziehung. Kinderarbeit bedeutet Unwissenheit,
Unwissenheit bedeutet Hilflosigkeit und Ärmlichkeit, Ärmlich-
keit bedeutet oder kann es bedeuten und bedeutet es thatsächlich
hunderttausendmal Unterstützungbedürftigkeit und Arbeitshaus, :
Verbrechen und Gefängnis. Darum schützt sich die menschliche ]
Gesellschaft und sichert sich der Staat, wenn sie sich gegen vor- I
zeitige Kinderarbeit wenden."
8 57.
Solchen offenbaren Mifsständen gegenüber thut Abhilfe doch
wahrlich dringend Not; sie liegt im Interesse der Selbsterhaltung
der Gesellschaft. Eine Nation, deren Glieder zum grofsen Teile
im Alter der Keife schon abgenutzt, welk und verbraucht, die
sittlich korrumpiert und intellektuell minderwertig sind, ist auf
die Dauer einfach nicht lebensfähig. Die allgemeinen gesetzhchen
Bestimmungen sind durchaus unzureichend; denn sie betreffen
einerseits blofs die jugendlichen Arbeiter, welche in den der staat-
lichen Aufsicht unterliegenden Betrieben, Fabriken und ihnen
gleichstehenden Etablissements, beschäftigt sind, und zum andern
genügt es nicht, wenn sie den, nach der jetzt üblichen Schulpflicht
der Schule Entwachsenen den Eintritt in Fabriken gestatten, nur
Kinder unter 13 Jahren von der Fabrikarbeit ausschliefsen. Nie-
mand, der einigermafsen mit dem vertraut ist, wessen der jugend-
liche Organismus bedarf, um sich in normaler Weise entwickeln
zu können, wird es gutheifsen, wenn 13jährige Knaben und
Mädchen 6 Stunden lang täglich in der Fabrik arbeiten, oder wenn
14 bis 16 jährige daselbst 10 Stunden lang beschäftigt werden. Die
Kultur-Pädagogik setzt die Schulpflicht auf 9 Jahre fest und ver-
langt daher, dafs erst vom sechzehnten Lebensjahre ab der Zög-
ling einem bestimmten Berufe sich widmen darf; denn jetzt erst,
nach erlangter Pubertät, besitzt der Organismus eine ,
gröfsere Widerstandskraft und vermag somit nunmehr j
leichter den Anforderungen regelmäfsiger Berufsarbeit
zu entsprechen. Schwere, dem Organismus in der Pubertäts-
periode zugemutete Arbeit hat die schwerste Schädigung des Or-
ganismus zur Folge. Da derselbe aber noch immer bis etwa zum
zwanzigsten Lebensjahre in der Entw^ickelung begriffen ist und der
Mensch in dieser Zeit noch gar sehr der Führung und Unterweisung