Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 55. Gefahren der Erwerhsthiltigkeit der Kinder. 517
staub" ist überhaupt bei jeder Art der Beschäftigung der Kinder
für dieselben überaus gefährlich, namentlich auch in der Haus-
industrie: die Herde der Hausindustrie sind geradezu die
Herde der Schwindsucht. Nun nehme man noch ganz all-'
gemeinhin die allen Anforderungen der Gesundheitspflege Hohn
sprechende schlechte Lebenshaltung, die Folge der durch die
niedrigen Löhne geschaffenen ungünstigen Erwerbslage hinzu, und
man wird sich darüber keinen Illusionen hingeben können, dafs
die handarbeitenden Kinder der handarbeitenden Klassen körper-
lich in jeder Beziehung verkümmern; dafs ihre Arbeitsenergie
bereits verbraucht ist, wenn das Leben eigentlich erst für sie be-
ginnen soll. Mit Marx mufs man thatsächlich sagen, dafs das
Kapital in seinem „mafslos blinden Triebe", in seinem ,Wer-
wolfsheifshunger nach Mehrarbeit" alle Schranken „überrennt", so-
wohl die physischen als auch, wie wir gleich noch sehen werden,
die intellektuellen und moralischen. Dals der Ertrag, den die
Kinder durch ihre Arbeit erzielen, auch nicht dazu dienen kann,
ihre Lebenshaltung zu bessern, das beweisen die geradezu lächer-
lich niedrigen Löhne, welche für Kinderarbeit gezahlt werden.
Die in Rathenow mit Stuhlflechtarbeiten beschäftigten Kinder er-
hielten für das Flechten einer Lehne, wozu 2—4 Stunden erforder-
lich waren, 15 Pfennige. In Steinbrüchen am Zobtenberge verdienen
„fleifsige" Knaben in 14 Tagen 4—6 Mark. Der Wochenlohn
eines Kindes, das mit Spulen in der Textilindustrie des Barmer
Bezirks beschäftigt ist, beträgt 2 Mark, der eines im Krefelder Be-
zirk in der Seidenstoffhausweberei zum Spulen verwendeten Kindes
nur 0,55—1,40 Mark. Ein Mädchen, das in Mühlhausen täglich
von 4—7 Uhr nachmittags Knöpfe annähte, erhielt dafür einen
Wochenlohn von 0,20 Mark, in Worten von zwanzig Pfennigen!
Semmelträger erhalten in Rixdorf monatlich 2—6 Mark, je nach
der Anzahl der Kunden, nebst Frühstück, Milchträger 2—3,
Zeitungsträger durchschnittlich 4—4,50 Mark, Kegeljungen stünd-
lich 0,20 Mark und Trinkgeld oder die „Neun" 0,05 Mark extra,
Tücherknüpfer für die Stunde 0,06 Mark oder für das Dutzend
je nach der Gröfse 0,30-0,80—1,50 Mark. In Schmölln ver-
dienen die lohnarbeitenden Kinder beim Knöpfeaufnähen 0,02 bis
0,07 Mark pro Arbeitsstunde; Aufwartungen, Verkauf von Bier-
flaschen und Kegelaufsetzen bringen wöchentlich 1,50—2,00 Mark
ein. In Jena und Wenigen-Jena verdient ein Junge für fünf-
stündiges Kegelaufsetzen durchschnittlich 0,30 Mark; von Knaben
und Mädchen habe ich erfahren, dafs sie für Geschäfts-Botengänge