Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
502 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
die Kultur. Und ich halte es allerdings für durchaus erforder-
lich, schon den Kindern den Sinn dafür zu erschliefsen, dafs alles,
was sie lernen, dals alle Vorstellungen, die sie erwerben, zu diesem
Gegenstande in Beziehung stehen; sie müssen von vornherein auf den
rechten Weg geleitet werden, damit sie, zur Reife gelangt, mit
dem Aufsuchen desselben nicht unnütz Zeit verlieren. Die Sittlich-
keit kann jener Gegenstand nicht sein; denn sie ist nicht allum-
fassend, sondern ist nur ein Gegenstand unter anderen. Darum
können gar nicht alle Vorstellungen auf sie bezogen werden oder
doch nur in ganz äufserlicher Weise, wie Assoziationsverknüpfungen
z. B. zwischen einem Tisch und der darauf liegenden Decke, einer
Rose und ihrem Standorte im Garten möglich sind. Eine andere
als eine solche rein äufserliche Beziehung ist auch nicht
denkbar, wenn man die Zahl 3 oder die Zahl 7 im Rechenunter-
richte behandelt, während gleichzeitig im „Gesinnungsunterrichte"
das Märchen „Strohhalm, Kohle und Bohne" oder die „Geschichte
von den sieben Geifslein" besprochen wird. Zwischen solchen
heterogenen Vorstellungen giebt es keine anderen als
äufserliche Beziehungen, die wohl in manchen Fällen ihre
Bedeutung haben können, hier aber völlig wertlos sind. Unsere
Ansichten über das Gute und Böse, über sittlich und unsittlich
sind doch durchaus unabhängig von unserem Wissen um irgend-
welche Zahlenverhältnisse. Ganz anders steht es mit der Kultur:
sie ist wirklich der allumfassende Gegenstand; alles, was der Zög-
ling lernt, lernt er nur, weil er dessen bedarf, um ein Kultur-
mensch zu sein, um an den Aufgaben des Kulturlebens mitarbeiten
zu können. Also nur sofern man unter dem Sittlichen das
Sittliche im höheren und weiteren Sinne versteht, ist es
der Gegenstand, auf den alles zu beziehen ist. Das Ver-
ständnis für diese Beziehungen erwächst dem Zögling vornehmlich
aus der Geschichte; im Geschichtsunterricht wird ihm geradezu die
Bedeutung der Kenntnisse, zu deren Erwerbung ihn die Schule
anhält, ad oculos demonstriert: der Geschichtsunterricht ist somit
das Band, welches alle einzelnen Lehrgegenstände ganz von selbst
zusammenhält und verbindet. Einer anderen Konzentration be-
dürfen wir nicht, am wenigsten einer derartig gekünstelten und
verschrobenen, wie sie die Herbartianer empfehlen.*)
*) Man vergleiche: Bergemann, „Die Lehre von den formalen und
den kulturhistorischen Stufen und von der Konzentration im Lichte der un-
befangenen Wissenschaft."