Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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496 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
wird, dem Ideal gemäfs zu handeln, das ihm durch die Be-
lehrung, den Unterricht als das richtige und als das höchste hin-
gestellt wird. Die intellektuelle Erfassung eines Ideals genügt auf
keinen Fall; selbst die intellektuelle Begeisterung für ein Ideal
ist nicht ausreichend: denn auch sie verbürgt kein ihm gemäfses
Handeln. Um sein Leben bis in die kleinen und kleinsten Einzel-
heiten hinein nach dem vom Erzieher aufgestellten Ideal gestalten
zu können, mufs der Zögling an ein entsprechendes Verhalten
gewöhnt worden sein. Eine derartig einheitliche Persönlichkeit soll
allerdings die Erziehung an das Leben abzuliefern sich bemühen,
einen Menschen, dessen Vorstellungsleben ein wohlgeordnetes und
um einen festen Mittelpunkt gruppiertes ist, und dessen Willens-
leben, dessen Charakter nicht im Widerspruch mit seiner Erkenntnis
steht; der fähig ist, dem gemäfs zu handeln, was er als richtig
erkannt hat. Dieses Resultat zu erzielen, vermag jedoch kein
Unterricht; um das zu vollbringen, müssen Natur, Belehrung
und Gewöhnung sich die Hand zum Bunde reichen.
Nicht minder anfechtbar als das eben besprochene ist auch
das für die Kulturstufen ins Treffen geführte Argument, dafs die-
selben der psychologischen Entwickelung des Kindes angemessen
seien. Dafs dem so sei, dafür führen die Herbartianer zwei
Gründe an, welche jedoch bei näherem Zusehen sich decken. Sie
sagen: zwischen der Entwickelung des Einzelnen und der Gesamt-
heit besteht ein gewisser Parallelismus; jeder Mensch macht im
Verlaufe seiner individuellen Entwickelung die Entwickelung der
ganzen Menschheit durch bis auf den Punkt, auf welchem dieselbe
bei der Geburt des betreffenden Individuums angelangt ist. So steht
das Kind nicht nur nicht auf dem Kulturstandpunkte des Er-
wachsenen, d. h. es begreift nicht nur die jeweilige Kultur nach
Art des Erwachsenen nicht, sondern es versteht sie überhaupt
gar nicht. Es steckt vielmehr in einer Jahrtausende zurückliegen-
den Kulturepoche. Nicht auf lange zwar in der nämlichen, son-
dern es durchlebt alle gewesenen ziemlich rasch, schreitet in einem
gewissen Geschwind-Tempo durch sie alle der Reihe nach hin-
durch. In einigen Wochen, ein paar Monaten, einem Jahre legt das
Kind einen Weg zui-ück, zu dem die Menschheit Jahrhunderte ge-
braucht hat. Ich weifs nicht, in welcher Zeit seines Lebens und
auf wie lange das Kind nach Ansicht der Herbartianer mit den
alten Höhlenbewohnern auf gleicher Stufe steht; denn sie schweigen
sich darüber klüglich aus. Aber das weils ich, dafs das Kind ihrer
Meinung zufolge mit acht Jahren eigentlich bei einem patriarcha-