Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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494 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
liehen, den „GesinnungsstofFen", nach dem Prinzipe der Konzen-
tration wird folgendermafsen verfahren. Religiöse, moralische, ge-
sellschaftskundliche Belehrungen werden ohne weiteres mit den
geschichtlichen verquickt. Im Zeichenunterricht treten im dritten
Schuljahre gleichzeitig mit der Behandlung der Patriarchen-
geschichte altägyptische Formen auf, da ja die Ägypter in engem
Wechselverkehr mit den Israeliten standen. Wenn im fünften
Schuljahr von den sächsischen Kaisern gesprochen wird, so werden
romanische Formen gezeichnet u. dgl. m. Die Konzentrations-
Idee verführt aber noch zu ganz anderen Abgeschmacktheiten und
zeitigt methodische Blüten wie die folgenden. Der Rechenunter-
richt des ersten Schuljahres wird mit dem ,Gesinnungsunterrichte"
so verknüpft, dafs die Zahl 7 zur Behandlung kommt, wenn die
Geschichte von den sieben Geifslein an der Reihe ist. Im Gesang-
unterrichte wird das Lied »Jäger und Hase" gesungen, wenn das
Märchen „Fundevogel" zur „Gesinnungsbildung" verwandt wird, und
das Märchen „Der Wolf und der Fuchs" dient in Verbindung mit
dem Liede „Fuchs, du hast die Gans gestohlen" demselben Zwecke.
Das alles sind nicht etwa satirische Unterschiebungen, sondern es
wird von den Herbartianern in vollem Ernste verlangt und noch
dazu als der Ausflufs grolser pädagogischer Weisheit angesehen,
wie man in der „Theorie und Praxis des Volksschulunter-
richtes" lesen kann. Was den geographischen und naturkund-
lichen Unterricht betrifft, so tritt hier die Konzentrations-Idee auf
die Art in Kraft, dafs man den Schauplatz der im „Gesinnungs-
unterrichte" behandelten geschichtlichen Ereignisse und die auf
diesem Schauplatze wachsenden Pflanzen und dort lebenden Tiere
gleichzeitig bespricht, was ja bis zu einem gewissen Grade seine
Berechtigung hat, nämlich soweit dadurch nicht eine unnatür-
liche Zerreifsung und Zerstückelung zusammengehöriger geo-
graphischer Gebilde bewirkt wird. Wird in allen diesen Fällen
nach derselben Schablone konzentriert, so geht die Sache doch
nicht immer so glatt ab; es gelingt bisweilen nicht, z. B. den
Rechenstoff mit dem „Gesinnungsstoff" zu verknüpfen. Und ebenso
befindet man sich hinsichtlich der Naturkunde nicht selten in einem
Dilemma. Da hilft man sich auf die Weise, dafs man einfach
die Konzentrations-Idee, wenigstens ihre prinzipielle Anwendung,
der zufolge alle Stoffe zu den „Gesinnungsstoflen" in Beziehung
gesetzt werden sollen, für diesen oder jenen Fall aufser Kurs
setzt. Man konzentriert dann ein wenig nebenher und läfst sich
z. B. bei der Wahl der naturkundlichen Materie von der Rück-