Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 53. Die Auswahl und Anordnung der Unterrichtsstoffe. 487
fester und besser haftet, da es von nur mäfsigen Dimensionen ist,
und da sein Original beständig ihnen vor Augen steht.
Gewonnen wird dieses Bild auf folgende Weise. In den
Wald geführt, lernen die Kinder dessen mannigfache Beschaffenheit
und seinen Reichtum kennen, auf Wiese, Heide und Moor em-
pfangen sie einen regen Eindruck des Pflanzen- und des ungeahnt
reichen Tierlebens auf so engem Raum. Die Felder mit ihren
Früchten, die Knicks und Hecken, der Weinberg, die Hopfen-
pflanzung werden besichtigt und erklärt. Mit eigenen Augen
sehen die Schüler, wie das Getreide zu Mehl verarbeitet und vom
Bäcker zum Genüsse hergerichtet wird. Eine Weber- und Schneider-
werkstätte, eine Gerberei, eine Töpferei, ein Zimmerplatz, ein
Hausbau u. a. m. sind für die Heimatkunde bedeutsame Plätze,
an denen nicht achtlos vorübergegangen wird. Unter der streng
methodischen Zucht des Lehrers müssen die Kinder Anschauungen
von der Front des Schulhauses, der Kirche und anderer Haupt-
gebäude bilden lernen. Mit den mafsgebenden Persönlichkeiten des
Heimatortes und ihren Funktionen werden sie vertraut gemacht.
Die Schüler besuchen den Markt, den Bahnhof, den Hafen, Burg-
ruinen und Trümmerstätten, ein nahe gelegenes Schlachtfeld, alt-
berühmte Bäume, Grabmäler, Hünengräber, die Überbleibsel eines
Dorfes aus dem dreifsigjährigen Kriege, ein Kreuz, das an die
Franzosenzeit erinnert, alte Klöster und Kirchen. Die heimischen
Sagen und die Geschichten, die in aller Munde sind, werden ihnen
erzählt und erläutert. So prägt sich das Bild der Heimat tief in
der Kinder Herzen ein und schaut sie an wie ein Freund, den sie
durch täglichen vertrauten Umgang liebgewonnen, in dessen Wesen
sie schätzenswerte Einblicke gethan haben, und der ihnen doch
immer wieder neue Rätselfragen aufgiebt, deren Lösung sie
wünschen. Diese Lösung finden sie auch zum grofsen Teil in
den am Ende des heimatkundlichen Unterrichtes gegebenen Auf-
schlüssen, wenn sie in das Verständnis des Kausalzusammenhanges
eingeführt werden, der zwischen dem heimatlichen Boden und
seinen Bewohnern besteht. Die volle Lösung ist freilich erst mög-
lich im späteren Unterrichte, wenn die Beziehungen der Heimat
zum Vaterlande und zur Welt sich ihnen offenbaren; wenn sie zu
dem Bewufstsein der , Weltbeheimatung" gelangen.*) — Ganz kurz
sei hier auch darauf noch hingewiesen, dafs der Unterricht in der
Heimatkunde es sich angelegen sein lassen muls, in den Kindern
*) Man vergleiche: Bergemann, „Die sozialethische Aufgabe der
Heimatkunde', wo auch zahlreiche Litteraturnachweise zu finden sind.