Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 53. Die Auswahl und Anordnung der Unterrichtsstoffe. 481
licher Hinsicht mitzuarbeiten, und dazu sind sie blofs dann im-
stande, wenn sie die Verhältnisse kennen und wissen, wie die-
selben so geworden sind, wie sie sind. Im modernen Volks-
staate mit seiner parlamentarischen Verfassung und dem allge-
meinen direkten Wahlrecht mufs die Gesellschaftskunde ein Unter-
richtsgegenstand der Schule sein. Und zwar gehören die dies-
bezüglichen Belehrungen wie in die höheren Lehranstalten so
auch in die Volks- und die Fortbildungsschule, ja erst recht und
ganz besonders in diese; denn bei ihren Schülern liegt die Gefahr
sehr nahe, frühzeitig in ein einseitiges Parteigetriebe hinein-
gezogen zu werden, sodafs sie sehr bald die Dinge nur noch
durch die getrübten Brillengläser der Partei zu sehen vermögen.
Wie die Gesellschaftskunde als besonderer Lehrgegenstand so
soll auch der Moralunterricht als solcher erst im sechsten Schul-
jahre beginnen. Derselbe ist in einen ethischen Vor- und einen
ethischen Hauptkurs zu zerlegen, wie der gesellschaftskundliche
Unterricht in einen sozialwissenschaftlichen Vor- und Hauptkurs.
Der Vorkurs umfafst die Zeit des sechsten bis neunten Schul-
jahres, also die vier unteren Klassen des Gymnasiums und die
vier Klassen der Volksschule, der Hauptkurs die vier Jahreskurse
der Bürger- und der Fortbildungsschule und die vier oberen Klassen
des Gymnasiums. Auszugehen hat der ethische wie der gesell-
schaftskundliche Unterricht stets vom Beispiel, um ihm nämlich
alles Trockene und Pedantische zu nehmen. Im Vorkurs werden die
Beispiele als Ausgangspunkt in Gestalt einer kurzen, leicht fafs-
lichen Erzählung verwendet, in Anlehnung teils an erdichtete oder
geschichtliche oder aus der persönlichen Erfahrung der Schüler
stammende Vorgänge; im Hauptkurs fällt die Erzählung weg, und
an ihre Stelle tritt das blofs erläuternde Beispiel und die Privat-
lektüre: Hauptsache ist jetzt die eigentliche, bewufste System-
bildung. Dieses Moment tritt im Vorkurs in den Hintergrund;
natürlich mufs ein bestimmter systematischer Gang innegehalten,
es darf kein buntes und wirres Durcheinander von Prinzipien und
Maximen aufgehäuft werden, aber als System kommen Gesellschafts-
kunde und Ethik jetzt noch nicht in Frage. Das Prinzip, nach
welchem die Auswahl und Anordnung des Erzählungsstoffes zu er-
folgen hat, wird durch die Wissenschaft, für den ethischen Unter-
richt also durch die Moralphilosophie, in unzweideutiger Weise
vorgeschrieben. Der wichtigste, der Hauptteil der Moralphilosophie
ist die Sozialethik, den stärksten Nachdruck lehrt sie auf die
Pflichten gegen den Mitmenschen legen; von Pflichten gegen
Bergemann, Soziale Pädagogik. 31