Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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468 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
Stück davon, zur Verwendung kommen kann. Das ist Anwendung
genug und übergenug; eine besondere Formalstufe der Anwendung
braucht man wahrlich nicht.
Was nun die Formalstufentheorie im einzelnen betrifft, so ist
Folgendes zu sagen. Dafs der Unterricht den Zweck hat, den
Intellekt, das Vorstellungsleben des Zöglings zu bilden, das er-
kennen auch die Herbartianer an, wennschon sie darin nur einen
sekundären Zweck erblicken, indem sie ja mit Herbart der An-
sicht sind, dafs die intellektuelle Bildung im Dienste der Charakter-
bildung und der Unterricht somit im Dienste der Zucht stehe. „Der
letzte Endzweck des Unterrichts", heifst es in Herbarts ,Umrifs
pägagogischer Vorlesungen", ,liegt zwar schon im Begriffe der
Tugend. Allein das nähere Ziel, welches, um den Endzweck zu
erreichen, dem Unterrichte insbesondere mufs gesteckt werden,
läfst sich durch den Ausdruck: Vielseitigkeit des Interesses an-
geben." Den Ausdruck ,Vielseitigkeit des Interesses", den ich
schon früher einmal näher zu erläutern Gelegenheit hatte, ge-
brauchen alle Herbartianer nach des Meisters Vorbild für „intellek-
tuelle Bildung" bei Bestimmung des Unterrichtszieles. Jedoch, ganz
abgesehen davon, dafs der Ausdruck in seiner Geschraubtheit und
Gesuchtheit nicht die wahre Meinung gleich auf den ersten Blick
klar erkennen läfst, ist ihm der von mir gebrauchte Ausdruck
„intellektuelle Bildung" oder „Büdung des Vorstellungslebens"
schon deshalb vorzuziehen, weil damit ganz unzweideutig auf die
beiden Teilzwecke des Unterrichtes, materiale und formale Bildung,
hingewiesen wird. Denn der Begriif „intellektuelle Bildung' ent-
hält ein materiales und ein formales Moment, Wissen und Können,
niemand gilt für in dieser Hinsicht „gebildet', der nichts weifs,
und der nicht seine intellektuellen Fähigkeiten zu gebrauchen ver-
steht. Daher hatte ich, um das Ziel des Unterrichtes zu erläutern,
nur nötig, den Begriff „intellektuelle Bildung' zu analysieren.
Eine solche einfache Analyse führt bei dem Ausdruck „Vielseitig-
keit des Interesses' nicht zum Ziel; somit mufs man erwarten,
dafs die Herbartianer die Teilzwecke des Unterrichtes als in ihrem
Ziel beschlossen liegend noch besonders nachweisen. In dieser
Erwartung wird man jedoch getäuscht; es geschieht das nirgends
und bei keinem. Herbart sagt nur einmal sehr kurz, dafs damit
eine Art von geistiger Thätigkeit gemeint sei, bei der es nicht
auf blofses Wissen ankomme, sondern auf ein Wissen, das man
festzuhalten und zu erweitern sucht, auf ein in allen seinen Ver-
bindungen leicht überschaubares Wissen, das man als das seinige