Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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454 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
den Mädchen an Unterschiedsempfindlichkeit überlegen: sind doch
auch Klavierstimmer beinahe nur Männer, was doch wohl auf dem
Umstände beruht, dafs Frauen auf diesem Gebiete nicht erfolgreich
mit den Männern zu konkurrieren vermögen. Experimentell bat
u. a. Roncoroni die gröfsere und feinere Gehörsschärfe des männ-
lichen Geschlechtes erwiesen. Bezüglich des Geschmacks und des
Geruchssinnes zeigen die Experimente von Ottolenghi, Nichols,
Bailey, dafs der Geruchssinn bei Männern und der Geschmackssinn
bei Frauen am schärfsten ist. Die Resultate der Untersuchungen
des Tastsinnes lassen bisher noch keine definitiven Schlüsse rück-
sichtlich sexueller Differenzen zu. Lombroso schreibt dem weib-
lichen Geschlechte auf Grund seiner Experimente eine geringere
Tast-Sensibilität zu als dem männlichen; Jastrows Versuche, die
allerdings von beschränkterem Umfange sind, sprechen für eine
Superiorität des weiblichen Geschlechtes. Da sich die Versuche
indessen blofs auf die innere Handfläche erstrecken, giebt Jastrow
selbst zu, dafs sie eigentlich nichts beweisen, als dafs die Hände
der von ihm untersuchten Frauen wenig an harte Arbeit gewöhnt
sind. Ganz im allgemeinen hat Galton die Erfahrung gemacht,
welche ich im ersten Teile auch bereits ausgesprochen habe, dafs
in der Regel Männer feinere Unterschiede empfinden als Frauen*):
die Erfahrungen des Geschäftslebens scheinen das ebenfalls zu be-
stätigen. Aber sicher ist die affektible Reaktion auf irgendwelche
Sinnesreize beim weiblichen Geschlechte stärker als beim männ-
lichen, wie schon Coleridge bemerkt hat.
Was die Aufmerksamkeit anlangt, so ergeben sich zahl-
reiche individuelle Unterschiede hinsichtlich der gröfseren oder
geringeren Ermüdbarkeit derselben und ihrer gröfseren oder ge-
ringeren Konzentrations-Fähigkeit. Von dem Grade der Fähigkeit,
konzentriert aufmerksam sein zu können, hängt geradezu die In-
telligenz des Menschen ab. Je intensiver, je konzentrierter auf-
merksam jemand zu sein vermag, um so intelligenter ist er. Ge-
ringe Intelligenz beruht stets auf der mangelhaften Fähigkeit, die
Aufmerksamkeit zu konzentrieren, intensiv aufmerksam sein zu
können. Schwachsinnigen geht diese Fähigkeit so gut wie ganz
ab. Ebenso giebt es viele Gedächtnisunterschiede materialer
wie formaler Art. Grofse Unterschiede der Individualität lassen
sich z. B. beim Raumgedächtnis feststellen: der eine orientiert
sich leicht in einer fremden Gegend, der andere schwer; der eine
*) Man vergleiche: Galton, „Inquiries into human faculty.'