Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
Bekijk als:      
Scan: Afbeeldinggrootte:
   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Vorige scan Volgende scanScanned page
§ 50. Das formale Unten-ichtsschema. 4o3-
die Schüler zum Aufmerken zu zwingen seien. Mit Gewalt,
also mit einem unter Strafandrohung erlassenen Befehle, ist dies
nicht möglich; und selbst wenn es anginge, so wäre damit nur
sehr wenig oder gar nichts geholfen. Denn der Lehrer würde ja
doch gar nicht wissen, ob seinem Befehle auch wirklich gewill-
fahrtet wird; er müfste somit beständig kontrollieren, ob dies der
Fall sei, ein Verfahren, bei welchem der Unterricht überhaupt
nicht vom Flecke käme. Um die Aufmerksamkeit der Schüler zu
erzwingen, muls der Lehrer sich vielmehr solcher Mittel bedienen,
deren Wirksamkeit er ohne besondere beständige Kontrolle sicher
sein kann. Diese Mittel giebt ihm die Psychologie an die Hand;
es sind folgende. Vorerst gilt es, die Aufmerksamkeit zu erregen,
indem eine erwartende Bewufstseinslage geschaffen, Erwartung her-
vorgerufen wird. Das geschieht durch die Ankündigung dessen,
was kommen soll. Die bestimmte Erwartung eines Reizes ruft
nämlich stets, auch wenn der Reiz nur ganz unbestimmt an-
gedeutet wird, schon vor seinem Eintritte eine gewisse Spannung
hervor, welche bewirkt, dafs man gegen die fort und fort auf die
Sinne anstürmenden Reize unempfindlich wird. Es wird also eine,
der Aufnahme des angekündigten Reizes günstige Bewufstseins-
lage geschaffen und nicht nur dies: sondern neben und aufser
der Erregung von Bewulstem kommt auch eine solche von Un-
bewufstem in Betracht. Daher ist genauer zu sagen, dafs in dem
Inbegriff des bewufst und des unbewufst Erregten, das durch
die Reiz-Ankündigung gleichsam auf den Eintritt des Reizes ab-
gestimmt worden ist, die für die Reiz-Aufnahme günstige Kon-
stellation gegeben ist. Zur Charakterisierung derselben diene Fol-
gendes: alle zentralen Hemmungen sind beseitigt, die Schwellen-
werte für die Reize vertieft, die Reizempfindlichkeit ist also er-
höht worden. Bei psycho-physiologischen Experimenten hat sich
ergeben, dafs die Reaktionszeit beträchtlich verkürzt wird, wenn
der, der Versuchsperson zu applizierende Reiz vorher angekündigt
wird. Des weiteren kommt es dann darauf an, die erregte Aufmerk-
samkeit einige Zeit hindurch zu fesseln. Das geschieht vor allem
dadurch, dafs man den, der aufmerksamen Anschauung darzubieten-
den Gegenstand in eine scharfe Beleuchtung rückt, ein deutliches
Bild desselben den aufnahmedürstigen Sinnen der Schüler vorzu-
führen sich bemüht, sei es nun ein solches für das Auge, sei es ein
solches für das Ohr. Auch mufs der Lehrer dafür Sorge tragen, dafs
er sich womöglich an mehrere Sinne gleichzeitig wenden kann, vor-
nehmlich zugleich an den Gesichts- und den Gehörssinn; aber auch
Bergemann, Soziale Pädagogik. 29