Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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426 III- Teil. Der tlieoretiaclie Aufbau der sozialen Erziehnngslehre.
man unter Umständen durch inbrünstiges Gebet seinen, ihr vor-
getragenen Wünschen willfährig machen kann. In dieser An-
schauungsweise steckt ja geradezu noch ein Stück Fetischismus.
Mit Jesu Lehre von den letzten Dingen ist also keinesfalls
etwas anzufangen; die religiösen Belehrungen können davon
nichts profitieren. Was weiterhin Jesu Sittenlehre an-
geht, so ist zu sagen, dals dieselbe einmal nicht frei ist von
Widersprüchen, zum anderen von Uberschwänglichkeiten, und
endlich und vor allen Dingen ist sie für unsere, gegen damals
völlig veränderten, so überaus verwickelten Kulturverhältnisse
viel zu einfach und keimartig. Sie giebt uns ja gar keine
irgendwie hinreichenden Mittel an die Hand, um nach ihren
Vorschriften in den heutigen Kulturverhältnissen leben zu
können. Wie sollen wir denn ihr zufolge unser Verhalten zu
Staat und Gesellschaft, in nationalen und sozialen Fragen, zu
Bildung, Wissenschaft und Kunst einrichten ? Mit einer solch all-
gemeinen Regel z. B. wie der: „Gebet dem Kaiser, was des
Kaisers, und Gotte, was Gottes ist", kann doch niemand im
Ernste rechnen. Denn was heifst das? was ist des Kaisers? was
ist Gottes? wo ist die Grenze zwischen den Pflichten gegen den
einen und gegen den anderen? Wenn man aber sagt, dafs es auch
gar nicht darauf ankomme, für die einzelnen Pflichtenkreise des
modernen Lebens besondere Vorschriften im Evangelium zu finden,
sondern dafs es vielmehr auf den Geist ankomme, in welchem
es das Menschenideal hinstelle, und der sei von ewiger Giltig-
keit, so ist darauf Folgendes zu erwidern. Wollte man sich nach
diesem „Geiste" richten und nach ihm in Gegenwart und Zukunft
sein Leben gestalten, so müfste man Kultur und Welt eher verneinen
als bejahen. Denn darüber kann ja gar kein Zweifel herrschen,
dafs des Evangeliums Geist die Weltflüchtigkeit, die Dies-
seitigkeitsscheu und die Verachtung der Güter dieser Welt
ist: dafür legen zahlreiche Aussprüche Jesu ein beredtes Zeugnis
ab, z. B. Lucas 12 V. 31, Matthäus 6 V. 33, Lucas 14 V. 33.
Als Erklärungsursache dessen kann wohl Jesu felsenfester Glaube
an das ganz nahe, ganz unmittelbar bevorstehende Kommen des
jüngsten Gerichts gelten, welcher aus folgenden Stellen klar her-
vorgeht: Matthäus 24 V. 33—34, Lucas 21 V. 32, Lucas 12 V. 85 fl'.
Man mufs ohne weiteres Paulsen beistimmen, wenn er sagt:
„Wenn es wirklich Jesu Meinung gewesen wäre, dafs seine Jünger
sich der Welt nützlich machen sollten, nicht durch die Predigt
von der Vergänglichkeit alles Irdischen und von dem ewigen