Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 48. Die Organisation der öffentlichen Erziehung. 425
Fürwahrhalten, um ein Gebiet, zu dem nur die Phantasie Zutritt
hat, bei diesen um ein Wissen, nämlich dessen, was gut und böse,
was für die Erhaltung und Erhöhung des Gattungslebens nützlich
und schädlich ist, also um ein, exakter Forschung zugängliches
Gebiet. Nun gar mit einem, wie dem in unseren Schulen üblichen
Religionsunterricht darf die ethische Unterweisung auf keinen Fall
verknüpft werden, wenn wir nicht geradezu alle Moralität zu
Grunde richten wollen. Wenn man die Moralvorschriften noch
immer als götthche Gebote und Verbote hinstellt, was ja einst-
mals, in der Kinderzeit der Menschheitsentwickelung, ganz am
Platze und in Ordnung war, so liegt die Gefahr sehr nahe, dafs
der zur Reife gelangte Mensch, wenn er nicht mehr an einen Gott
gleich dem, welcher dem Moses auf dem Sinai erschien, glauben
kann, mit diesem Gott gleichzeitig alle Moral in die Rumpelkammer
wirft: auf diese Weise werden die heuchlerischen und verlogenen
Cyniker grofsgezogen, an denen wahrlich heutzutage kein Mangel,
denen nichts beilig ist, welche vor nichts zurückschrecken, wenn
sie nur sicher sein können, dafs ihre „Reputation" nicht leidet, dafs
ihr Thun verborgen bleibt und sie nicht mit dem Strafgesetz in
peinliche Kollision geraten.
Manche, welche ähnliche Ansichten vertreten, wie ich sie hier
entwickelt habe, sind der Meinung, dafs bei den moralischen Be-
lehrungen und auch späterhin bei den religiösen der christliche
Standpunkt gewahrt werden müsse und zwar der eigentlich
christliche, indem man auf Jesu Lehre von dem, was gut und
böse sei, und von den letzten Dingen zurückgehen müsse. Ich
kann dem weder in dieser noch in jener Hinsicht beipflichten. Es
liegt hier eben nicht, wie man glaubt, ein Ideal vor, das für die
religiöse wie für die sittliche Gestaltung des Lebens ewige Geltung
beanspruchen kann. Wenn ich in Harnacks „Dogmengeschichte"
die kritisch gesichtete Darstellung, die der Verfasser von dem
Evangelium Jesu giebt, lese, so empfange ich den Eindruck, dafs
diese „frohe Botschaft" bezüglich der Religion nichts enthält als
eine Reihe unbestimmter, dunkler, bildlicher Vorstellungen, die
zudem der fortschreitenden intellektuellen Entwickelung in keiner
Weise genügen, so z. B. die Vorstellung von Gott als Vater, als
einem Sünden vergebenden, gnädigen. Gebet erhörenden Wesen.
Wie viele Anstölsigkeiten und Schwierigkeiten für den modern
denkenden Menschen sind darin enthalten. Man mache sich doch
nur einmal klar, was es heifst, dafs z. B. Gott gedacht werden
soll als ein Gebet erhörendes Wesen, also als eine Person, die