Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 48. Die Organisation der öffentlichen Erziehung.
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andere hält sich für im Dienste eines weltimmanenten Absoluten
stehend; der dritte wirkt und schafft im Hinblick auf das Glück
der Menschheit. Dieser nimmt das Leben, wie es sich von der
Geburt bis zum Tode abwickelt, für das ganze Leben, das dem
Individuum beschieden ist; jener glaubt an eine Fortsetzung des-
selben über das irdische Sein hinaus bald in dieser bald in jener
Form. Kurz und gut: der moderne Kulturmensch will in Sachen
des Glaubens jedem völlig freie Hand gelassen wissen; er verlangt
nur, dafs jeder seine Pflicht erfüllt als Arbeiter am Werke der
Kultur. Als selbstverständlich setzt er freilich voraus, dafs der
moderne Kulturarbeiter, ausgerüstet mit dem Wissen seiner Zeit,
in religiösen Fragen sich so entscheidet, wie es mit eben diesem
Wissen vereinbar ist. Als reifer Mensch, dessen Geist mit mo-
dernem Wissen und moderner W^elterkenntnis genährt worden, der
in seiner Jugend nicht der Suggestion dieser oder jener Dogmen
ausgesetzt gewesen ist, kann er ja nur auf vernünftige Weise sein
etwaiges metaphysisches Bedürfnis befriedigen, nur einer solchen
Religions-Gemeinschaft sich anschliefsen, welche den Forderungen
der logischen Vernunft der Zeit Rechnung trägt, was wieder dazu
führt, dafs die verschiedenen vorhandenen religiösen Gemeinschaften
zu einer gründlichen Revision ihrer Ansichten und Lehren, die nur
von Vorteil für das religiöse Leben sein kann, veranlafst, ja ge-
zwungen werden.
Aus alledem folgt, dafs religiöse Gemeinschaften mit der
Pflege des öffentlichen Erziehungswesens nichts zu thun haben
dürfen, am allerwenigsten die Kirche, wie sie noch jetzt besteht.
Bei einer kirchlich geleiteten Erziehung wird ja, wie die Erfahrung
lehrt, der Hauptnachdruck auf die religiöse und zwar konfessionell-
religiöse Seite der Bildung, in der Schule also des Unterrichtes,
gelegt. Eine solche Erziehung bedeutet demnach eine Spaltung
der gesamten Bildung nach Konfessionen, d. h. nichts anderes als
eine Spaltung auch in alledem, was die Jugend zu ihrem weltlichen
Berufe vorbereiten soll, und somit eine Spaltung der geistigen
Bildung der Nation nach religiösen Gegensätzen und nach den
von ihnen bestimmten politischen Anschauungen. Der Kirche
darf also auf keinen Fall trotz ihres historischen Rechtes
irgendwelcher Einflufs auf das Erziehungswesen ein-
geräumt und zugestanden werden. Nun könnte man
meinen, dafs dessen Pflege vielleicht privaten Korporationen anzu-
vertrauen wäre. Darauf ist zu erwidern, dafs diese vor allem
deshalb ungeeignet sind, weil es ihnen an der erforderlichen um-