Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 45. Die Zucht.
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ring ist.*) Aufserdem hat der junge Mann bekanntlich eine sehr
laxe Gesellschaftsmoral auf seiner Seite, während dem jungen
Mädchen die Gesellschaftsmoral nicht den kleinsten Fehltritt ver-
zeiht. Die Erziehung zur geschlechtlichen Selbstbeherrschung
mufs und wird diese schmachvolle doppelte Moral hinwegfegen,
sodafs in Zukunft auch nur der junge Mann für anständig gilt,
welcher wie das junge Mädchen sich rein und keusch erhält. Mit
aller Energie mufs vor allem gegen diejenigen vorgegangen wer-
den, welche so vollständig von allen Göttern verlassen sind, dafs
sie dem Grundsatze huldigen, die jungen Männer mülsten sich die
Hörner ablaufen; ein wüstes und lasterhaftes Leben sei die not-
wendige und natürliche Vorbedingung zu einem thätigen Leben;
der Jüngling müsse sich erst im Sumpfe gewälzt haben, ehe
er die Toga echter Männlichkeit um seine Schultern schlagen
könne. Solche Ansichten sind aufs entschiedenste zu bekämpfen.
Jeder anständige und ehrenhafte Mensch mufs sie öffentlich, gleich
dem alten Bildhauer Ritz und dem jungen Bildhauer Clemenceau
in Dumas' „Der Fall Clemenceau", als das hinstellen, was sie
sind, als schamlose Sophismen, von Wüstlingen zur Beschönigung
ihres schmachvollen Treibens ausgeklügelt und von urteilslosen
Dummköpfen nachgebetet.
Schliefslich möchte ich noch auf zwei Mittel hinweisen,
welche für die Erziehung zur Enthaltsamkeit in sexueller Hinsicht
wertvoll und wichtig sind. Einmal mufs die Erziehung darauf
hinwirken, dafs der Zögling die Erhaltung der Keuschheit aus
ästhetischen Gründen für das Erforderliche ansieht; dafs die Un-
keuschheit ihm als eine Entweihung des Leibes, als etwas Un-
schönes und Ekelhaftes erscheint. Ganz besonders sind dabei
wiederum die Knaben und Jünglinge zu berücksichtigen. Solche
Gedankengänge wie die folgenden müssen ihnen ganz geläufig
werden. Das Sprichwort sagt: wer Schmutz angreift, besudelt
sich. Der Schmutz ist etwas Unschönes; der damit Besudelte ge-
währt einen häfslichen Anblick. Die Frauen, die ihren Leib jedem
preisgeben, sind auch Schmutz; wer mit ihnen in Berührung kommt,
noch dazu in intime, der besudelt sich daher ebenfalls. Jene
Frauen sind entweder schon von vornherein gemein, oder sie wer-
den es doch bei längerer Ausübung ihres abscheulichen Handwerks
*) Man vergleiche auch: Hegar, ,Der Geschlechtstrieb'. Mante-
gazza, „Hygiene der Liebe'. Laura Marholm, „Zur Psychologie der
Frau'.