Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 45. Die Zucht. 403
Ehelichen mit 1,77 mal bestraft. Was die unehelich geborenen
Mädchen betrifft, so sind dieselben nach Neumann „auffällig"
stark in der Prostitution vertreten und scheinen auch bei der
Zwangserziehung und unter den Verbrechern eine „unverhältnis-
mäfsige" Häufigkeit zu zeigen. Wie auf die schlimmen Folgen
des prostitutionellen und überhaupt des wilden Geschlechtsverkehrs
so mufs der Zögling auch auf die der Selbstbefleckung auf-
merksam gemacht werden. Auch hier mögen wieder Zahlen reden;
denn solche sprechen am eindringlichsten und vernehmlichsten.
Dr. Woodward, der Direktor des Irrenhauses zu Worcester, teilt
in einem Artikel des „Boston Journal" mit, dafs von 80 männ-
lichen Wahnsinnigen, die daraufhin untersucht wurden, mehr als
der vierte Teil, also mehr als 25 "/o, mit dem Laster der Selbst-
befleckung behaftet gefunden wurden. Beim etwa zehnten Teil,
also bei ca. 10®/o, war aus dieser Ursache völliger Idiotismus ent-
sprungen. Nach einem Berichte des Massachusetts-Irrenhauses ver-
dankt ein Drittel der in demselben untergebrachten Kranken, also
SSVs 7ot ihren Aufenthalt daselbst dem Laster der Onanie. In sämt-
lichen Hospitälern Schwedens wurden nach Ribbing aufgenommen
in den Jahren 1883—87 zusammen 3623 Geisteskranke: bei 136,
also bei3,77oi beruhte die Geistesstörung auf Onanie. In englischen
Krankenhäusern wurden untergebracht in den Jahren 1885—87
im ganzen 41118 Geisteskranke: bei 526, also bei l,3®/oi war
die Ursache der Erkrankung Onanie. Doch darf man in dieser
Beziehung auch nicht zu schwarz sehen und aus jenen Angaben
nicht schlechthin allgemein - giltige Schlüsse ziehen. Sicher aber
ist freilich, dafs die berührten sexuellen Excesse ebenfalls Gehirn
und Rückenmark überreizen und diese Organe für schädliche Ein-
wirkungen sehr empfänglich machen, wie Cohn in seiner beachtens-
werten Schrift „W^as kann die Schule gegen die Masturbation
der Kinder thun?" zeigt.
Noch ein Punkt mufs hier zur Sprache gebracht werden. Es
ist noch immer die Meinung aufserordentlich weit verbreitet, dafs
die Gesundheit die Befriedigung des Geschlechtsbedürfnisses ver-
lange. Das ist eine durchaus irrige Meinung, ein Wahn, von dem
vor allem die Erzieher zurückkommen müssen, und den sie auf
keinen Fall beim Zöglinge aufkommen lassen dürfen, mag es auch
noch immer Arzte geben, welche unwissend, gewissenlos oder ge-
fällig genug sind, diesem Wahn Vorschub zu leisten. Der be-
kannte und schon erwähnte Physiologie - Professor Herzen
sagt bezüglich dessen ausdrücklich: „Man behauptet, dafs die Ge-
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