Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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402 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
was der Erwachsene nicht glaubt: sonst wirft es später mit dem
Erdichteten auch das Wirkliche weg, d. h. in unserem Falle natür-
lich nicht die Thatsachen selbst, aber deren Auffassung. Zu
solchen Abgeschmacktheiten, zu welchen sich die Rationalisten
verleiten Helsen, wollen wir selbstverständlich nicht zurückkehren;
wenn z. B. Chr. Faust in seinen „Perioden des menschlichen
Lebens" (Berlin 1794) wünscht, dafs die Mutter im Kreise ihrer
Kinder gebären solle: „dann wissen letztere, wo die Kinder her-
kommen", so ist das eine Geschmacklosigkeit, zu der nur der Auf-
klärungs-Fanatiker gelangen konnte. — Als göttlicher Schöpfungs-
mufs der Geschlechtstrieb heilig gehalten und vor Mifsbrauch be-
wahrt werden. Darauf ist ebenfalls schon die Jugend aufmerk-
sam, es sind ihr die Folgen dieses Mifsbrauches klar zu machen.
Rousseau schlägt zu diesem Zwecke abwehrende und ab-
schreckende Behandlung durch Besuch von Syphiliskranken und
Bordellen vor. Jedoch empfiehlt es sich nicht, zu solchen Kraft-
mitteln zu greifen; vielmehr ist zu sagen, dafs die ernste und
eindringliche Besprechung genügt, zu der die gemeinsame
Lektüre entsprechender Schriften noch hinzukommen kann, wie
die des schon erwähnten Herzen'schen Vortrages, von dem
Brentano sagt: „Das ist ein vorzügliches kleines Werk! das
ist ein Büchlein, wie wir es brauchen! das soll auch der deut-
schen Jugend nicht vorenthalten sein!" oder des Buches von
Kornig „Die Hygiene der Keuschheit". Auch auf die sozialen
Folgen der geschlechtlichen Zügellosigkeit, auf den Einflufs der
unsittlichen Lebensführung auf die Volkswohlfahrt, wie ihn
Paulus so treffend in seinem Vortrage „Folgen unsittlicher und
sittlicher Lebensführung in ihrer Bedeutung für die Volkswohl-
fahrt" beleuchtet, ist die Jugend aufs energischste hinzuweisen.
So mufs der Zögling erfahren, welches Elend die Verführung eines
jungen Mädchens und dessen uneheliche Mutterschaft herauf-
beschwört über dieses, über das unglückliche, einem solchen Ver-
hältnisse entspringende Kind, über die Gesellschaft. Was den
letzten Gesichtspunkt betrifft, so hat z. B. Neumann für Berlin
den zahlenmäfsigen Beweis erbracht, dafs die Kriminalität der
Unehelichen diejenige der in den gleichen Jahren ehelich Ge-
borenen erheblich überflügelt. Im militärpflichtigen Alter waren
von den ersteren 19,5''/o, von den letzteren dagegen blofs 9,6 "/o
wegen Vergehen und Verbrechen bestraft. Zudem hatten die Un-
ehelichen ein weit längeres Strafregister als die Ehelichen: jeder
bestrafte Uneheliche war im Durchschnitt 2,62 mal gegenüber dem