Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 45. Die Zucht. 399
Sache der Erfahrung ist, dafs die Mehrzahl der weiblichen nervösen
Kranken nicht überarbeitet, nicht krank infolge von Überan-
strengung, sondern infolge innerer Leere und zurückgestauten
Lebens- und Schaffensdranges ist.
Solche Anleitung wie die berührte, um dem Zögling die
Selbstbeherrschung in der gesamten Lebensführung als soziale
Pflicht zum Bewufstsein zu bringen, kann natürlich erst in späteren
Jahren der Erziehung in Betracht kommen. Vorher ist er an
Selbstbeherrschung zu gewöhnen, indem er ein einfaches mäfsiges
Leben zu führen angebalten wird. Zudem spielt hier die Ge-
wöhnung an noch andere nützliche Arbeit als die Schularbeit eine
bedeutsame Rolle. Wie Müfsiggang aller Laster Anfang ist, so
gedeiht auch die Giftpflanze der Genufssucht auf dem Boden eines
müfsigen Lebens: man beseitige also die Ursache, wenn man die
Wirkung nicht haben will. Und das geschieht eben dadurch, dafs
man den Zögling von Jugend auf an Arbeitsamkeit gewöhnt;
dann wird er im späteren Leben den Müfsiggang unerträglich
finden. Aufserdem hat die Heranziehung der Kinder zu nützlicher
Arbeit im Hause auch noch mancherlei andere gute Folgen; es
dient das dazu, die Jugend in das Gemeinschaftsleben, sofern es
sich als Wirtschaftsleben darstellt, ganz von selbst hineinwachsen
und die für dasselbe notwendigen Tugenden sich entfalten zu
lassen. Der Arbeitende mufs tapfer sein, um eine ihm aufgetragene,
unter Umständen schwierige und langweilige Arbeit wirklich zu
Ende zu führen; man bezeichnet diese Art der Tapferkeit als
Ausdauer. Er mufs weise sein, um den Wert eigener und fremder
Arbeit und die mannigfachen Arbeitsbeziehungen beurteilen und
richtig schätzen zu können. Er mufs gerecht sein, um den Lohn,
den jeder Arbeiter beanspruchen darf, ihm freudig zuzuerkennen
und zu gönnen. Gerade darauf scheint mir bei der häuslichen
Erziehung zur Arbeit ein ganz besonderer Nachdruck gelegt wer-
den zu müssen; die Kinder, die Brüder und Schwestern einer
Familie müssen lernen, einander die kleinen, für erwiesene Dienst-
leistungen, für pünktliche Erfüllung der ihnen aufgetragenen Ver-
richtungen in Haus und Garten u. dgl. m. gewährten Entlohnungen,
Geld- oder sonstige Geschenke, von Herzen zu gönnen, es ganz
in der Ordnung zu finden, dafs jeder, der etwas leistet, dafür
etwas erhält, was der Leistung entspricht, und dafs, wer mehr
leistet, auch mehr beanspruchen kann als derjenige, welcher weniger
leistet. Jeder Arbeiter ist eines seiner Arbeit würdigen Lohnes
wert, dieser Grundsatz der wirtschaftlichen Gerechtigkeit mufs
den Kindern in Fleisch und Blut übergehen.