Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 45. Die Zucht. 397
Nicht alle Kinder sind ja in der Lage, Spareinlagen machen zu
können; es würde somit leicht Überhebung einer- und Neid ander-
seits daraus entspringen. Auch ist ganz allgemeinhin zu sagen,
dafs dergleichen gar nicht zu den Aufgaben der Schulerziehung,
sondern einzig und allein zu denen der Familienerziehung gehört.
Gewöhnung an Sparsamkeit und Anleitung zu freiwilligem Sparen
im Dienste der Selbstbeherrschung ist Sache der ständigen Zucht,
nicht der gelegentlichen, wie sie die Schule zu üben in der Lage
ist. Wer der Schulerziehung alle möglichen Dinge, die gar nicht
in organischer Beziehung zu ihr stehen, nicht in ihrem Wesen
begründet sind, aufpacken will, der verkennt ganz und gar deren
Charakter. Es ist das der Ausflufs des pädagogischen Dilettantis-
mus, den vor allem der Herbartianismus ins Leben gerufen hat
mit seiner Verwirrung aller pädagogischen Begriffe, mit seiner
Vermischung der Begriffe Charakter- und Verstandesbildung. —
Ferner mufs auch die Ehrliebe auf die Seite der Selbst-
beherrschung gebracht werden; es ist ja doch ehrenwert, sich
heiteren Gemütes etwas zu versagen. Der Zug unserer Zeit geht
demgegenüber gerade auf das Gegenteil hinaus, nämlich auf den
demonstrativen Aufwand, auf den banausischen Genufs, die leere,
prunkende Repräsentation. Dagegegen schütze man die heran-
wachsende Generation; man zeige ihr all diesen Aufwand in seiner
ganzen Hohlheit; man stelle ihr eindringlich vor Augen, dafs derselbe
gar nicht ehrenvoll ist, um so weniger, je bittereres Elend auf
der anderen Seite herrscht, Elend, das vielfach gelindert werden
könnte, wenn nicht Unsummen für blofses wertloses Schaugepränge
zum Fenster hinausgeworfen würden. Man zerstöre die behauptete
Berechtigung der Scheinbedürfnisse durch den Hinweis auf die
Natur, welche nur wenig bedarf. Man zeige, dafs die Meinung
der Reichen falsch ist, wenn sie sagen, es sei ihre Pflicht, Auf-
wand zu machen, noblesse oblige. Dafs diese Ansicht durchaus
irrig ist, das bezeugt uns so deutlich die ökonomische Wissenschaft.
Im Grunde ist es auch gar nicht die wahre Meinung jener Leute,
sondern blofs ein Mäntelchen, womit sie ihre Begehrlichkeit und
Genufssucht zudecken wollen. Die Luxus - Produktion ist nicht
wertvoll vom sozial-ökonomischen Standpunkte aus; vielmehr ent-
zieht sie nur der wirklich wichtigen Produktion Kapital und
Arbeitskräfte. Und zudem fliefsen ja die Ausgaben für derartige
Produkte zum weitaus gröfsten Teile nur in die Taschen der
schon reichen Unternehmer und Fabrikanten, während die eigent-
lichen Hersteller, die Arbeiter, nach wie vor mit Hungerlöhnen