Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 45. Die Zucht. 391
gedrungen mufs es daher eine hysterische, untaugliche, niemandem
Nutzen bringende alte Jungfer werden. Hingegen würde es ein nütz-
liches Glied der Gemeinschaft geworden sein können, wenn ihm ge-
stattet worden wäre, seine Gaben zu entwickeln, einen Beruf zu er-
lernen und zu betreiben. Von solcher falschen, solcher egoistischen
und sentimentalen Pietät mufs die Erziehung sich freihalten; für
sie kommt nur die echte in Betracht, welche das Gemeinwohl
über das Einzelbehagen stellt und jedem das Recht seiner Ent-
faltung zugesteht. Nicht um der Eltern, nicht um der Ver-
gangenheit willen sind die Kinder da, sondern die Eltern
sind um der Kinder willen, die Vergangenheit um der
Zukunft willen da.
Von den im Dienste der Charakterbildung stehenden Mitteln
Lohn und Strafe ist bereits im Vorbeigehen gesprochen worden;
ich will jetzt noch etwas näher auf die Bedeutung der Strafe
für die Erziehung eingehen. Die Strafe ist die Zufügung eines
Übels seitens einer Autoritätsperson, wenn ein Gebot von dem
derselben gehorchen Sollenden übertreten worden ist. Sie tritt also
bei der Erziehung ein, wenn das Autoritäts-Verhältnis vom Zög-
ling durchbrochen worden ist. Ihr Zweck besteht darin, das ge-
brochene Autoritäts-Verhältnis wieder herzustellen. Zugleich ist die
Strafe auch ein Abschreckungsmittel, jedoch namentlich im
öffentlichen Leben. In der Erziehung soll dem Zögling vor allem
gezeigt werden, dals er nicht nach seinem und gegen den Willen
des Erziehers handeln darf. Die Strafe will sich selbst allmählich
überflüssig machen; sie kann nur in zufälligen Ausnahmefällen
vorkommen. Es ist eine wohl zu beachtende Grundregel, dafs die
Strafe um so stärker wirkt, je seltener sie ist. Es gilt, den
Grundsatz zu befolgen: „Beuge der Notwendigkeit der Strafe nach
Möglichkeit vor!" Verhüten ist besser als wiederherstellen, und
treffend sagt Goethe:
Entzwei und gebiete — tüchtig Wort.
Verein' und leite — besser Wort!
Um die oben angegebene Grundregel befolgen zu können,
ist es nötig, noch im einzelnen folgende beiden Punkte zu be-
achten. 1. Man gebiete und verbiete nur wenig, und 2. man
setze das Wenige mit Konsequenz durch. Statt zu verbieten, ver-
hindere man lieber, und statt zu gebieten, leite man an. Auch
die Strenge ist ein Mittel, um die Notwendigkeit der Strafe zu
verhüten. Strenge ist innere, feste Konsequenz, ein Ausflufs
der Gewissenhaftigkeit gegen sich selbst. Ein Vorbild darin ist