Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 44. Das Spiel. 383
wie das Christentum im Mittelalter. Träger der Renaissance-
Kultur sind blols die sogen. Gebildeten, im besonderen wieder die
Gelehrten. Und daher hat auch unsere Kunst einen gelehrten
Charakter angenommen. So wendet sich z. B. unsere hochge-
priesene National-Litteratur in erster Linie auch blols an die Ge-
bildeten. Lessing, Schiller und Goethe existieren kaum fürs Volk.
Und dasselbe gilt für die bildenden Künste. Unsere Architektur
erwächst z. B. nicht aus dem Handwerk; sondern die Kunstformen
werden auf Schulen und Akademien gelehrt: überall richtet man
sich dabei nach antiken Mustern. Ahnlich verhält es sich auch
mit der Plastik, die ebenfalls gelehrte Stoffe in gelehrten Formen
darstellt; dieselbe ist durchaus ein fremdes Gewächs auf unserem
Boden, das sich eigentlich blofs durch gelehrte Traditionen fort-
pflanzt. Selbst die Malerei macht im grofsen und ganzen keine
Ausnahme von dieser Regel.
Hat sich das alles nun auch mit historischer Notwendigkeit
vollzogen, sodafs gegen niemanden ein Vorwurf erhoben werden
kann, so mufs man sich doch anderseits klar machen, dafs, da die
Träger der Kunst blofs die Gebildeten, die durch die Schule des
klassischen Altertums Hindurchgegangenen sind, die Massen immer
mehr und mehr verrohen müssen, da ihnen gar keine Beziehungen zu
höheren, rein-geistigen Idealen bleiben. Dadurch wächst die Kluft
zwischen Gebildeten und Nichtgebildeten noch beständig; und es
ist zu bedenken, dafs eine Kultur, die auf so schmaler Basis ruht,
wie die der modernen Völker, leicht erschüttert und unter Um-
ständen plötzlich vernichtet werden kann. Wenn die modernen
Völker die Einheit des geistigen Lebens nicht wieder gewinnen
wie im Altertume und im Mittelalter, so sind sie auf die Dauer
nicht lebensfähig.
Aus alledem folgt zweierlei, nämlich einmal dies, dafs die
Kunst in andere Bahnen einlenken mufs; der Anfang dazu ist
ja schon gemacht, was ich mit Freuden konstatiere — zum anderen
dies, dafs die Erziehung weit mehr als bisher ihr Augen-
merk auf das Spiel, namentlich sofern es eben der ästhetischen
Ausbildung Vorschub leistet, richtet. Das heranwachsende Ge-
schlecht mufs zum Verständnisse des gesamten geistigen Lebens
des Volkes geführt werden, also auch zu dem der Kunst. Der
Trieb zur Kunst, der ästhetische Spieltrieb ist nun dem Kinde
angeboren; somit braucht die Erziehung sich nur seine Entwickelung
angelegen sein zu lassen. Ihre Aufgabe besteht darin, diesem
Triebe in seiner mannigfachen Gestaltung Gelegenheit zur Übung