Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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378 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
es mufs, um die richtige Entscheidung als immer sicheres Resultat
erwarten zu können, die Übung hinzukommen. Diese Übung
wird freilich fast nur abstrakt sein können, indem man den
Zögling häufig fragt, was er in dieser oder in jener Lage thun
würde. Blofs in seltenen Fällen wird sie auch als konkrete Übung
auftreten können; der Verkehr des Kindes mit Erwachsenen, Ge-
schwistern und Kameraden giebt dazu ja kaum Gelegenheit, und
zudem würde eine solche konkrete Übung doch leicht sich als
ein zweischneidiges Schwert, als nicht ganz ungefährlich und un-
bedenklich erweisen. Immerhin giebt es Fälle, in denen sie mög-
lich und am Platze ist. So ist es wohl denkbar, dafs der Zögling
veranlafst werden mufs, einen Unglücksfall, um den er weifs, zu
verheimlichen und auf direktes Befragen auch in Abrede zu stellen,
etwa mit Rücksicht auf den Gesundheitszustand des Fragers, z. B.
der kranken Mutter oder des kranken Brüderchens oder Schwester-
chens. Im grofsen und ganzen sind alle diese Übungen natürlich
nicht schon bei jungen, sondern erst bei älteren Kindern in An-
wendung zu bringen. Aber auch im übrigen, ganz abgesehen von
solchen Fällen, ist die Übung bei der Zucht sehr oft vonnöten.
Ein etwas eigenwilliges, eigensinniges Kind z. B. soll zur Nach-
giebigkeit und Verträglichkeit erzogen werden. In erster Linie
kommt dabei natürlich die Gewöhnung in Betracht: das Kind wird
häufig mit anderen Kindern zusammengebracht, um mit ihnen zu
spielen. Zeigt es sich dabei eigensinnig und unverträglich, so
wird es von den Kameraden vom Spiel ausgeschlossen und geht
so eines Vergnügens verlustig. Bei besonders schlechtem Verhalten
wird es auch noch vom Erzieher bestraft u. dgl. m. Hierbei
weifs das Kind nicht, dafs es zur Nachgiebigkeit und Verträglich-
keit erzogen werden soll: von den Kameraden wird es gemieden,
weil es sich mit ihnen gezankt hat, vom Erzieher gestraft, weil
es unartig war — das ist sein Bewufstseinsinhalt. Es soll aber
auch, wie wir wissen, das Ziel seines moralischen Verhaltens kennen
lernen; es soll erfahren, dafs es richtig und gut ist, nachgiebig
und verträglich zu sein. Und ist ihm das gesagt und klar ge-
macht worden, warum es richtig und gut ist, dann mufs es auch
mit Bewufstsein in diesen Tugenden geübt werden. Nun sagt
der Erzieher zu ihm: heute nimm dir einmal fest vor, beim Spiel
mit deinen Gefährten dich nicht wieder mit ihnen zu zanken,
sondern sei hübsch nachgiebig und verträglich. Und so immer und
immer wieder. So stehen Gewöhnung, Belehrung, Übung
zusammen im Dienste der Zucht: grundlegend ist die