Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 43. Die Übung. 375
Entwickelung des Zeitsinns und seine künstlich bewerkstelligte
Ausbildung beim Zögling ist vor allem die mittelbare Zeitschätzung
bedeutsam, ohne dals jedoch das andere vernachlässigt werden
dürfte: es gilt also vornehmlich das Kind in der mittelbaren Zeit-
schätzung mit Hilfe des genannten Mittels zu üben, indem man
z. B. in gewissen, ungleich grofsen Intervallen Schälle erzeugt und
das Kind die Länge der Intervalle, sowohl jedes für sich als auch
im Vergleich miteinander, beurteilen läfst u. dgl. m.
Was den richtigen Gebrauch der Sinne betrifft, so mufs
man das Kind darin üben, dafs es z. B. beim Schmecken den be-
treffenden Gegenstand entweder vorn auf die Zungenspitze oder
auf den hinteren Teil der oberen Zungenfläche bringen mufs, nie-
mals auf den mittleren Teil; denn dieser ist fast ganz geschmacks-
unempfindlich. Auch mufs das Kind darin geübt werden, das,
was es schmecken will, in der Schleimflüssigkeit des Mundes
ordentlich aufzulösen, da sonst ja keine Geschmacksempfindung
ausgelöst werden kann. Um gut riechen zu können, ist das Kind
im „Schnüffeln", d. h. darin zu üben, rasch hintereinander, in
kleinen Intervallen, die Luft, welche riechbare Stoffe enthält, ein-
zuziehen und schnell wieder herauszustofsen. Ganz besonders fein
riechen wir aber, wenn wir es verstehen, statt wie gewöhnlich mit
dem Inspirations- mit dem Expirations - Strom riechbare Stoffe
durch die Nase zu führen. Beruht das bessere Riechen in jenem
Falle, beim „Schnüffeln", vor allem darauf, dafs die Geruchs-
empfindung dabei länger anhält, so ist in diesem Falle die Sache
noch nicht physiologisch erklärbar. Soweit möglich mufs nun das
Kind auch darin geübt werden, durch den Expirations-Strom riech-
bare Stoffe der regio olfactoria zuzuführen. Ebenso mufs es weiterhin
darin geübt werden, beim Tasten sich der Fingerspitzen, nicht
der ganzen Hand, zu bedienen; denn an den ersteren findet sich
eine Häufung von Tastpunkten: dieselben sind also besonders tast-
empfindlich. Was das Sehen betrifft, so ist bekanntlich dasselbe
nicht an allen Stellen des Gesichtsfeldes gleich deutlich; ganz
charakteristisch deutlich ist es nur in der Zentralgrube, am gelben
Fleck. Aber durch die fein abgestufte und schnelle Beweglich-
keit des Auges gelingt es, ein gleichmäfsig deutliches Sehen zu
erzeugen; zudem stellen wir, wenn wir einen Gegenstand ganz be-
sonders scharf „aufs Korn" nehmen wollen, unsere Augen so ein,
dafs derselbe auf den gelben Fleck fällt. Jedoch geschieht das
alles völlig unwillkürlich; darin das Kind zu üben, ist nicht gut
möglich. Hingegen kann es wohl geübt werden, den zu betrach-