Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 43. Die Übung. 369
ungezwungen anzuknüpfen; aufserdem wird der Erzieher auch in
Stunden traulichen und gemütlichen Zusammenseins mit dem Zög-
ling ihn im Anschlufs an besondere kleine Geschichten, selbst-
erfundene und aus der Litteratur entlehnte, aufklären können.
Märchen scheinen mir dazu gänzlich ungeeignet; es heifst ihnen
ja allen poetischen Zauber nehmen, will man sie zum Ausgangs-
punkte des Moralisierens machen: föllen beim Erzählen oder Lesen
von Märchen di& Kinder selbst moralische Urteile, dann ist es etwas
anderes; dann kann man ein wenig näher darauf eingehen. An
Stelle der Märchen möchte ich als grundlegende Erzäh-
lungen aufser den frei erfundenen die Fabeln empfehlen,
die ihrer ausgesprochen lehrhaften Tendenz wegen ja sehr gut
dazu passen. Natürlich kommen dieselben blols für jüngere Kin-
der in Betracht; bei älteren, die ja in der Schule Moralunterricht
haben, werden überhaupt Gespräche genügen, welche an irgend-
welche Vorkommnisse in dem Leben der Familie, der Gemeinde,
des Volkes oder solche, welche die ganze Kulturgesellschaft be-
rühren und bewegen, anknüpfen. Aufserdem bietet hier die Privat-
lektüre vielfache Gelegenheit zur Besprechung ethischer Fragen
und Probleme.
Die Übung.
43.
Worauf sich die Übung zu erstrecken hat, das ist uns be-
reits bekannt, nämlich auf die Bewegungsorgane, die Sinne, die
intellektuellen Vermögen und die Elemente des formalgesellschaft-
lichen Benehmens. Aber auch in der Zucht und beim Spiel,
ebenso im Unterrichte spielt sie eine bedeutsame Rolle, bei letz-
terem namentlich da, wo es sich um die Aneignung gewisser
Fertigkeiten handelt, beim Rechnen, Lesen und Schreiben, beim
Zeichnen und Modellieren und bei „Handarbeiten". Und für die
Gymnastik ist sie so bedeutsam, dafs man von dieser ja geradezu
als von „körperlichen Übungen" spricht. Bei alledem
kommt die Übung in einem doppelten Sinne in Betracht,
sofern sie nämlich auftritt als Thätigkeit des Erziehers und
als Thätigkeit des Zöglings. Die Hauptsache ist natürlicher
Weise das letztere, doch kann das erstere nicht entbehrt werden.
Die Übung als Thätigkeit des Zöglings besteht in der
häufigen Wiederholung der Funktionen, welche ausgebildet
Bergemann, Soziale Pädagogik. 24