Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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368 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
bei derartigen Entscheidungen leidet; denn das bedeutet einen
grofsen Kräfteverlust. Vor allem müssen wir ihn vor Reue zu
bewahren versuchen; ist doch die Reue eines der unnützesten Ge-
fühle: sie lähmt die Schwungkraft der Seele, macht den Menschen
kleinmütig und verzagt. Sieht man nach gethaner That ein, dafs
dieselbe notwendig war; dafs man bei wiederholter Gelegenheit
auch nicht anders handeln könnte, dann ist Reue doch eine grofse
Thorheit. Und dennoch kommen die meisten Menschen nicht
über dieses Gefühl hinaus, weil in der Erziehung dadurch ge-
fehlt wird, dafs an Stelle der allein richtigen Zweck-Moral die
absolute Giltigkeit der einzelnen Sittengebote gepredigt und oben-
drein noch die Reue als ein besonders köstliches und Gott wohl-
gefölliges Gefühl verherrlicht wird. Solcher Verkehrtheit gegen-
über ist zu sagen, dafs der Zögling allmählich, je mehr er heran-
reift, darüber aufgeklärt werden mufs, dafs keine Moral-Vorschrift
von absolutem Werte, dafs keine an sich wertvoll ist, sondern
nur mit Rücksicht auf den Zweck, der damit erreicht
werden kann, Wert besitzt. Der Mensch ist doch nicht um
der Moral willen, sondern die Moral ist um des Menschen willen
da: gut ist nur, was der Lebenserhaltung und Lebenserhöhung
der Gattung und des Einzelnen als nützlichen Gliedes derselben
dient. Gut ist das dem Gemeinschaftsleben Förderliche und Nütz-
liche, böse das Gegenteil. Die Lüge ist allgemeinhin schlecht
und daher verwerflich, weil sie das Vertrauen der Menschen zu-
einander untergräbt und somit das Zusammenleben gefährdet, den
gesellschaftlichen Zusammenhang lockert. An und für sich hin-
gegen hat das Lügen oder das die Wahrheit Sagen gar
keine Bedeutung. Nun können aber Umstände eintreten, welche
im Interesse des Gemeinschaftslebens, im Interesse der Erhaltung
und Erhöhung des Einzellebens, das für das Gemeinschaftsleben
bedeutungsvoll ist, die Lüge notwendig machen, und dann ist es
geradezu unsittlich, die Wahrheit zu sagen. Das ist bei der
moralischen Belehrung der Heranwachsenden wohl zu berück-
sichtigen.
Ganz im allgemeinen föllt aber der moralischen Belehrung,
wie ich schon früher hervorgehoben habe, auch die Aufgabe zu,
in das Gemütsleben des Zöglings eine gewisse Ordnung hineinzu-
bringen. Alle die angeführten Gesichtspunkte kommen für den
gelegentlichen wie auch für den systematischen Moralunterricht
in Betracht. Jener, der uns jetzt allein beschäftigen soll, hat an
alle Vorkommnisse des Lebens, welche dazu Veranlassung bieten,