Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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364 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
eines neuen Hutes verweigert, da wird doch die Verachtung
des Weibes in ihm geradezu systematisch gezüchtet. Natürlich
meine ich nicht, dafs der Erzieher, wenn das Kind einmal eine
Nummer der „Fliegenden Blätter" in die Hände bekommt, ihm
dieselbe wegnehmen und sagen soll, dafs das nichts für es sei:
das wäre ganz falsch und würde ja nur die Neugier nach dieser
verbotenen Frucht reizen. Sondern er mufs von ihnen mit der
gebührenden Mifsachtung sprechen und seinem Erstaunen darüber
Ausdruck geben, dafs der Zögling an solchen Fadheiten und Ab-
geschmacktheiten Gefallen findet: er mufs ihn an der Ehre
packen, indem er sich über seinen schlechten Geschmack
wundert. Ins Haus dürfen sie gar nicht kommen, ebenso-
wenig wie andere Witzblätter dieser Art. Hingegen würde ich
gar kein Bedenken tragen, dem Jüngling und dem jungen
Mädchen ernste satirische Zeitungen in die Hand zu geben,
welche die wirklichen und tiefeinschneidenden Schäden der Ge-
sellschaft rücksichts- und schonungslos brandmarken, ohne An-
sehen der Person, des Ranges und Standes die Thorheiten, die
Schwächen, die Laster der Menschen geifseln. Überhaupt ist in der
letzten Periode der Erziehung der Zögling mit den Thatsachen
des Lebens in jeder Beziehung bekannt zu machen; daher ist die
sülsliche Litteratur, welche in usum delphini fabriziert wird, um
auf den Weihnachts- und Geburtstagstisch der Jünglinge und
jungen Mädchen gelegt zu werden, durchaus zu verwerfen. Am
widerlichsten ist die diesbezügliche Junge-Mädchenlitteratur; die-
selbe ist eigentlich in Bausch und Bogen nicht einen Schufs Pulver
wert. Nein, man gebe vielmehr dem Jüngling und dem jungen
Mädchen das in die Hand, was man selbst liest: die guten Erzeug-
nisse der zeitgenössischen Litteratur und unsere Klassiker. Jeder
Jüngling, jedes junge Mädchen kann z. B. getrost Bücher wie die
folgenden lesen: Helen Gardener „Wessen Tochter?"; Emmy von
Egidy „Marie-Elisa" und „Mensch unter Menschen"; Peter Nansen
„Gottesfriede"; Gerhardt Hauptmann „Hannele", „Weber", „Ver-
sunkene Glocke"; Fulda „Der Talisman"; Heyse „Marthas Briefe
an Maria"; die Schriften von Storm, von Gottfried Keller, von der
Ebner-Eschenbach, von der Suttner. Sehr zu empfehlen sind auch
die Romane von Walter Scott und von Dickens, Gedichte von Detlev
von Liliencron und von der Ada Negri u. a. m. An den Schätzen der
einheimischen und der fremden Litteratur soll der Geist der Heran-
wachsenden sich bilden; die üblichen, zurechtgestutzten Backfisch-,
Helden- und Räuberromane können demselben keine gute Nahrung