Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 40. Pflege und gelegentliche Belehrung. 355
war, den Politikern des Polizeistaates mifsliebig. Erst sehr all-
mählich söhnte sich der moderne Staat mit den gymnastischen
Übungen aus. Seit Friedrich Wilhelm IV. wurde das Turnen dann
endgiltig in die öffentliche Jugenderziehung und auch in die mili-
tärische Ausbildung aufgenommen. Und jetzt begünstigen bekannt-
lich die Regierungen alles, was für leibliche Übungen besteht
und geschieht. Ja, man kann sagen, dafs die Sache wohl noch
eine grofse Zukunft hat; denn sie steht immer noch erst im An-
fange ihrer modernen Entwickelung.
Die Pflege der modernen Gymnastik ist nun teils Aufgabe des
Hauses, teils der öffentlichen Erziehung und zwar vornehmlich
dieser. Denn nur in günstigen Ausnahmefällen, namentlich in reichen
Familien, ist es in der häuslichen Erziehung möglich, darauf ein be-
sonderes Augenmerk zu richten und hinreichende Gelegenheit zu
diesbezüglicher Bethätigung den Kindern zu verschaffen. Aber in
gewisser Hinsicht, in gewissem Umfange kann die Familie allent-
halben darauf achten und für geeignete Mafsnahmen Sorge tragen,
nämlich sofern es sich um die Form der Gymnastik handelt, die man
als Heilgymnastik, auch Zimmer- und schwedische Gymnastik be-
zeichnet. — Was die Pflege der Gymnastik in der öffentlichen Er-
ziehung betrifft, so möchte ich Folgendes bemerken. Die Leibes-
übungen sind nicht, wie dies jetzt geschieht, dem Schulunter-
richte einzugliedern, sondern sie sind als etwas für sich Bestehen-
des zu betrachten und zu pflegen. Und es sollen dabei die
Schüler der verschiedensten Schulen, je nach Mafsgabe ihrer
körperlichen Beschaffenheit, zu gemeinsamen Übungen herange-
zogen, zusammengeführt werden. Mit dem Schulunterricht, mit
der intellektuellen Bildung hat die Gymnastik ja gar nichts zu
thun, wenigstens nicht in direkter Weise; indirekt freilich trägt
auch sie ihr Scherflein zur intellektuellen Bildung bei, z. B.
vor allem durch die Übung der Aufmerksamkeit. Ausserdem
kann die Gymnastik, wenn man wie gewünscht verfährt, dem
Zwecke aller öffentlichen Erziehung in besonders hohem Grade
förderlich sein, dem Zweck, von Jugend auf darauf hinzuwirken,
die Menschen einander näher, die Scheidewände zum Wanken
und schliefslich zum Einstürzen zu bringen, welche allmählich
zwischen den verschiedenen Berufsklassen emporgewachsen sind
und denselben den Charakter von verschiedenen Gesellschafts-
klassen verliehen haben, kurz also den allgemein-sozialen Sinn zu
stärken. Was den Umfang anlangt, in dem die Gymnastik in
unserer Zeit zu betreiben ist, so bin ich der Ansicht, dals der-
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