Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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354 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
tilgen; sondern wir finden sie das ganze Mittelalter hindurch.
Erst im modernen Polizeistaat ist dann auch in dieser Beziehung
das Mittelalter beseitigt worden. Freihch hielt der Klerus dem
Mittelalter auch in Deutschland als höchstes vorbildliches Leben
das der Enthaltung von Kampf und Kampfspielen vor: er legte
die leibliche Rüstigkeit ab und hüllte sich, um dies symbolisch
zum Ausdruck zu bringen, in das lange Gewand, das Symbol der
Wehrlosigkeit. Allerdings brach nicht selten trotz alledem beim
mittelalterlichen Klerus das alte kriegerische Naturell durch;
aber dergleichen galt stets für tadelnswert. Jedoch, wie gesagt,
der Einfluls des Klerus, so grols er auch immer sein mochte,
reichte nicht aus, um die Leibesübungen bei unseren Altvorderen
gänzlich zu verdrängen. Vor allen Dingen spielten sie eine nicht
unbedeutende Rolle in der Erziehung des ritterbürtigen Knaben
und Jünglings auf der elterlichen oder der Burg eines befreundeten
Ritters. Das öffentliche Erziehungswesen hingegen, das gleich
von Anfang an unter kirchlichem Einflüsse stand, wies alles, was
leibliche Übung heifst, mit Verachtung von sich ab und be-
günstigte die Askese. Aus dem mittelalterlichen Schulwesen ist
aber das moderne hervorgegangen; daher ist dasselbe anfangs
ebenso weit von der Pflege der Gymnastik entfernt wie jenes.
Die Wendung in der diesbezüglichen Anschauungsweise beginnt
erst mit der Aufklärung. Einzelne Bemühungen, welche auf die
Pflege der Gymnastik hinausliefen, finden sich zwar schon zur
Zeit des Humanismus; dieselben kamen jedoch über blofse
Ansätze nicht hinaus und verliefen schliefslich resultatlos im Sande.
Erst die Aufklärung des 18. Jahrhunderts führte einen gründ-
lichen Umschwung der Ansichten herbei. Die Träger der neuen
Ideen sind die auf Lockes und Rousseaus Erziehungs-Prinzipien
sich stützenden Philanthropisten, welche dadurch in schroffen
Gegensatz zu den von Francke ausgehenden Pietisten traten. Die
Francke'schen Stiftungen in Halle waren gleichsam eine Erneue-
rung der alten Klosterschulen auf protestantischer Grundlage: alles
frische, freie, fröhliche Leben wurde hier systematisch unterdrückt.
Ganz anders in den Anstalten der Philanthropisten, namentlich
in Schnepfenthal, wo auf die Gymnastik ein starker Nachdruck
gelegt wurde. Im Anfang des 19. Jahrhunderts wurde dieselbe
alsdann durch Jahn wieder, wie einst im alten Hellas und in Rom,
mit der Wehrhaftigkeit in Verbindung gesetzt. Nach dem Ende
der Befreiungskriege jedoch wurde das Turnen, unter welchem
Namen die alte Gymnastik, wenigstens teilweise, wieder aufgelebt