Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 40. Pflege und gelegentliche Belehrung. 341
Die Handhabung der Erziehungsfunktionen.
Nachdem ich im Vorstehenden die Beschaffenheit des Zög-
lings charakterisiert habe, gilt es jetzt zu zeigen, auf welche
Weise auf ihn einzuwirken ist, wie die verschiedenen Erziehungs-
funktionen zu handhaben sind, um aus ihm das zu machen, was
dem aufgestellten Erziehungsziel gemäfs aus ihm werden soll. Die
Handhabung der Erziehungsfunktionen fällt, wie wir wissen, teils
dem Hause, der Familie, teüs der Schule und den sonstigen öffent-
lichen Erziehungs-Institutionen zu. Ich will nun stets im Folgen-
den von der häuslichen Erziehung ausgehen und von ihr dann
hinüber greifen auf die öffentliche.
Pflege und gelegentliche Belehrung.
8 40.
Diejenige Funktion, auf welche die häusliche Erziehung zu-
nächst ihr Hauptaugenmerk richten mufs, ist die Pflege als Für-
sorge für das körperliche Gedeihen des Zöglings, gemäls dem
alten, guten, auf Seneca zurückgeführten Worte: mens sana in
corpore sano. Und zwar ist zu sagen, dafs die Anwendung dieser
Erziehungsfunktion nicht erst mit der Geburt des Kindes beginnen
darf, sondern dafs sie viel weiter zurückreichen mufs; dafs sie be-
reits für die embryonale Entwickelung in Betracht kommt. Ja,
man kann und mufs sogar noch einen Schritt weiter gehen; daran
müssen die Eltern bereits denken, wenn sie sich verheiraten, noch
mehr: wenn sie sich kennen lernen und lieb gewinnen und den
Entschlufs zur Verheiratung fassen.
Piaton und Aristoteles verlangen übereinstimmend, dafs
mit Rücksicht auf die zu erwartenden Kinder die Eheschliefsung
staatlich reguliert und nur unter gewissen Kautelen gestattet werde.
Diesen sehr naheliegenden Gedanken greift Mantegazza in seinem
utopistischen Roman ,Im Jahre 3000" auf: in dieser fernen Zu-
kunft wird nur solchen Menschen die Verheiratung erlaubt, welche
bei sorgfältigster Untersuchung körperlich und geistig durchaus ge-
sund befunden werden. In der That kann man mit Recht sagen,
dafs die jetzt übliche Art, Ehen zu schliefsen, keineswegs dazu
angethan ist, das Interesse der Nachkommenschaft und damit das-
jenige der Gesellschaft zu wahren. Gewöhnlich denkt man an
solche Dinge gar nicht; ja, es gilt beinahe für unanständig und
sogar frivol, wenn derartige Fragen aufgeworfen und erörtert wer-