Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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330 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
beschäftigen, eine Thätigkeit auszuüben, mit der es etwas Ernstes
zustande zu bringen vermag. Auf der anderen Seite scheut
es sich aber auch wieder vor der ungewohnten Anstrengung,
welche eine solche Arbeit erheischt, vor dem stillen, längere
Zeit hindurch nötigen Verweilen bei derselben Sache. Erst durch
langsame und vorsichtige Gewöhnung an Lernen, an Arbeiten
kann da der Wille die Macht über die entgegenstehenden Triebe
und Begierden erlangen, kann den auf den Ernst der Arbeit, des
Lernens gerichteten Trieben zum Siege verholfen werden über
ihre Widersacher. Ferner regt der Ubergang aus dem beschränkten
häuslichen Kreise in das erweiterte Gemeinschaftsleben der Schule
mancherlei neue Triebe und Neigungen auf und führt auch hier
zu mancherlei Konflikten. Begrüfst der so starke Geselligkeits-
trieb des Kindes die Gelegenheit, die bisherigen enggezogenen
Kreise ausdehnen und durch Erweiterung der Lebensbeziehungen
das eigene Selbst bereichern zu können, mit Freuden, so macht
sich doch auch der Unabhängigkeitstrieb geltend, demzufolge
das Kind sich dagegen sträubt, sich in neue Verhältnisse, neue
Ordnungen, neue Persönlichkeiten hineinfinden zu sollen. Da muls
abermals die Gewöhnung eingreifen und dem Kinde allmählich
über die Regungen des Mifsbehagens hinweghelfen. Unter Um-
ständen darf es hier auch an äufserem Zwange nicht fehlen; doch
wird derselbe in verhältnismäfsig nur seltenen Fällen einzutreten
haben. Denn aufser der natürlichen Wifsbegierde, dem Be-
schäftigungstrieb und dem neue Verbindungen suchenden Ge-
selligkeitstriebe erleichtert auch der noch immer sehr mächtige
Autoritätstrieb die willige Übernahme der neuen Aufgaben ganz
wesentlich: ist doch namentlich die völlig neue Autorität des
Lehrers von starkem Eindruck auf das nur an die der Eltern bis-
her gewohnte Kind. Und dazu kommt dann noch die Macht der
gröfseren Gemeinschaft, die das Kind ganz unwillkürlich „trägt"
und auch mit „fortreifst"; es läfst sich, unter dem Banne, unter der
Suggestion dieser Macht stehend, ganz von selbst gefallen, was sich
neben ihm so viele andere auch gefallen lassen und gefallen lassen
müssen. Ganz unzweifelhaft regt sich aber neben dem Autoritäts-
triebe auch, wie dies ja früher ebenfalls schon der Fall ist,
sein Gegenstück und zwar stärker als jemals zuvor: der Trieb
und Drang nach Unabhängigkeit, der sich oft in Eigensinn und
Widersetzlichkeit äufsert. Angesichts dieses Thatbestandes ist es
sicherlich eine der wichtigsten sittlichen Aufgaben der Erziehung
in dieser Periode, diesen Trieb in ein richtiges Verhältnis zum