Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 35. Die Objekte oder Gegenstände der Erziehung. 325
als eigentliche, belohnenswürdige, weil allein wahrhaft nützliche
Werte schaffende Arbeit zu gelten habe. Eine solche Anschauungs-
weise kann in höchstem Grade verhängnisvoll werden, sie kann
unsere ganze Kultur in Frage stellen, wenn sie die allgemein
herrschende wird. Dieser Meinung auf die angedeutete Weise ent-
gegenzuarbeiten, das erheischt somit das Interess der Gesamtheit.
Betrachten wir nun die Entwickelung des Zöglings in der
dritten Periode seines Lebens, so ist es zunächst auf intellek-
tuellem Gebiete zweierlei, worin sich ein Fortschritt kund thut.
Vorher war, wie ich gezeigt habe, das Kind vornehmlich Empirist,
der sich der Beobachtung der Gegenstände seiner Umgebung widmet,
der eifrig bemüht ist, dieselben kennen zu lernen. Aber wir
fanden auch, dafs das Kind bei diesem Bestreben ziemlich ober-
flächlich verfährt; dafs seine Beobachtungen weder tief eindringend
noch beharrlich sind; dafs es flüchtig von einem zum andern
flattert, gleichsam blofs an allem nippt, und dafs daher die Ein-
drücke, die es empfängt, schnell vorübergehende sind. Das wird
nunmehr langsam anders, indem jetzt sowohl seine Aufmerk-
samkeit als auch sein Gedächtnis allmählich mehr und mehr
erstarkt. Infolge der Fähigkeit, nunmehr intensiver und länger
aufmerksam sein zu können, werden die Eindrücke der Aufsen-
welt in der Psyche des Zöglings tiefer und genauer, und das sub-
jektive Abbild der Wirklichkeit wird dieser selbst immer ähn-
licher. Eine andere Folge dieser zunehmenden Aufmerksamkeits-
Fähigkeit ist die, an die Stelle der ehemaligen Flüchtigkeit
tretende gröfsere Beharrlichkeit des Kindes: es dauert bei
einer Sache länger aus, was sich u. a. schon in seinen Spielen
äufsert. Indem sein Gedächtnis gleichzeitig ein treueres und zu-
verlässigeres wird, haften auch die Eindrücke besser in
seinem Geiste: dessen Inhalt wird reichhaltiger und umfänglicher.
Ferner beruht auf der wachsenden Treue des Gedächtnisses das
Zustandekommen der Zeit vor Stellung, ein Umstand, der seiner-
seits wieder die Vorbedingung für die Bildung des Begriffes
der Identität des Ichs ist. Es entsteht allmählich die Ich-Vor-
stellung als die Vorstellung eines körperlichen und eines geistigen
Wesens, mit einem Worte: der Persönlichkeit als eines ge-
wissen abgeschlossenen Ganzen — das Selbstbewufstsein kommt
zum Durchbruche. Es beginnt neben der Beschäftigung mit der
Aufsenwelt diejenige mit der inneren: zur Beobachtung der Gegen-
stände der Sinneswahrnehmung tritt die der Gegenstände der Selbst-
wahrnehmung hinzu. Das Kind wird träumerisch und sitzt häuflg