Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 35. Die Objekte oder Gegenstände der Erziehung. 321
Todesfälle finden sich nach Campbell solche infolge von ange-
borenen Mifsbildungen in 93 Fällen, wovon 50 auf männliche
Kinder kommen. Im besonderen sind auch diejenigen ange-
borenen Varietäten, welche eine nähere Beziehung zum geistigen
Leben haben, beim männlichen Geschlechte häufiger als beim weib-
lichen. So giebt es überall mehr männliche als weibliche Taub-
stumme, in Schottland z. B. 1195 gegen 930; in Norwegen stellt
sich das Verhältnis nach Uchermann wie 100 : 89. Desgleichen
finden sich Idiotie und Imbezillität durchgehends häufiger bei
Knaben als bei Mädchen, Nach Mi che 11 entfallen in England
100 männliche auf 74 weibliche Idioten; in Deutschland ist das
Verhältnis dasselbe, in Frankreich ist es wie 100 : 76. Der ende-
mische Kretinismus, bekanntlich eine besondere Art der Idiotie mit
Degeneration der Schilddrüse, findet sich nach Lunier bei Knaben
um 20 "/o öfter als bei Mädchen. Die Veranlagung zu Verbrechen,
Geistesstörung und Selbstmord, beruhend auf psycho-physischen
Abnormitäten, treten beim männlichen Geschlecht durchweg mehr
hervor. Die mit der angeborenen verbrecherischen Anlage iden-
tische, als „moral insanity" bekannte konstitutionelle sittliche
Schwäche ist der Typus einer angeborenen abnormen Anlage und
ebenfalls beim männlichen Geschlechte viel häufiger als beim weib-
lichen, desgleichen der sogenannte Spleen. Aber anderseits ist doch
zu sagen, dafs ebenfalls abnorme Begabung in der Richtung auf
grofses Talent oder Genialität beim männlichen Geschlechte weit
häufiger anzutreffen ist als beim weiblichen. Das gilt auch für
exorbitante Begabungen und Talente im niederen Stile: es giebt
mehr „Wunder"-Knaben als „Wunder"-Mädchen, z. B. viel mehr
männliche als weibliche „Rechenwunder" oder „Rechenkünstler".
Binet, Scripture und Lombroso haben die diesbezüglichen
Fälle zusammengestellt; unter allen 22 alten und neuen Fällen
dieser Art findet sich nur eine Person weiblichen Geschlechts:
das ist Lady Mansfield. Es ergiebt sich somit aus allen diesen
Daten mit Sicherheit, dafs beim männlichen Geschlechte sich
eine bedeutend grölsere angeborene Variabilität findet.
Bezüglich des anderen Punktes will ich in Kürze die Ergeb-
nisse mitteilen, welche die in Berlin durch Berliner Lehrer und
in Boston durch Professor Stanley Hall vorgenommenen Unter-
suchungen zur Feststellung der Kenntnisse und Begriffe von in
die Schule eintretenden Kindern ergeben haben.*) In Berlin wurde
*) Man vergleiche: „Berliner Städtisches Jahrbuch" 1870; ferner:
Hall „Pedagogical Seminary" 1891.
Bergemann, Soziale Pädagogik. 21