Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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318 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
gäbe des Sprachunterrichtes in der Schule: der Lehrer mufs Phone-
tiker sein, für die Amme oder die Mutter ist die Phonetik nicht
so wichtig. Sehr richtig bemerkt Lazarus in seinem Werke
,Das Leben der Seele" bezüglich des eigentlichen Sprechenlernens
einmal: „Man kann einem Kinde nicht gut zeigen, wie es einen
Laut hervorbringen, wie es ihn nachahmen soll. Man sieht nicht
selten, wie Mütter sich vergebliche Mühe geben, einem Kinde die
Laute vorzumachen, dafs es sie nachahme. Das Kind sieht sie
an und weifs nicht, was sie wollen, und sieht ihnen nicht auf
den Mund, sondern in die Augen, um hier zu erkennen, was sie
ihm sagen wollen. Man kann nur dem natürlichen und unwill-
kürlichen Prozefs in der Kindesseele zu Hilfe kommen; man kann
die Nachahmung der Wörter durch isoliertes, deutliches Vor-
sprechen, die Auffassung der Dinge durch Vorzeigen und Hin-
deuten, die Verknüpfung beider durch Anordnung der gleich-
zeitigen Wahrnehmung veranlassen".
Die Hauptsache bei normalen Kindern sind also die aku-
stischen Wortvorstellungen: das Kind lernt sprechen, indem es
andere sprechen hört und nun versucht, das, was es gehört hat,
nachzusprechen. Mit anderen Worten: seine Sprache beruht auf
Gehörswahrnehmungen, deren Niederschläge akustische Wahr-
nehmungsvorstellungen sind. Mit diesen Wortvorstellungen ver-
binden sich aufs engste Sach- oder Bedeutungsvorstellungen,
wenigstens bei der absichtlichen, unter Anleitung der Erwachsenen
sich vollziehenden Spracherlernung, indem da mit den Worten
gleichzeitig die betreffenden Gegenstände geboten werden, sodafs
sich zwischen Wort- und Sachvorstellung ein Assoziations-Zu-
sammenhang bildet. Diese Verbindung wird im Laufe der Zeit
so fest, dafs auf Grund gegebener Wortvorstellungen sich die ent-
sprechenden Sachvorstellungen ohne weiteres einstellen können.
Aber aufser diesen als Sach Vorstellungen zu bezeichnenden Be-
deutungsvorstellungen werden dem Kinde beim Sprechenlernen, auch
dem unabsichtlichen, zufalligen, noch andere Bedeutungsvor-
stellungen übermittelt, nämlich die grammatischen. Hier ist
der Punkt, wo in der Sprache Psychologie und Logik zusammen-
stofsen. Die Sprache hat, kann man sagen, einen dreifachen
Charakter: in ihrem Lautbestande ist sie wesentlich physiologisch
bedingt, ihrem Wortbestande nach gehört sie ins Reich der
Psychologie. Der logische Charakter der Sprache besteht in den, im
Laufe der Zeit in sie hineingewachsenen grammatischen Bezie-
hungen oder Bedeutungsvorstellungen. Alle die verschiedenen