Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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§ 35. Die Objekte oder Gegenstände der Erziehung. 313
die aber anfänglich entbehrlich sind: sie vervollständigen später
das Gesamtbild. Zudem sind sie vor allem für die Gestaltung
unseres leiblichen Lebens von Bedeutung; da das Kind aber dafür
anfänglich gar keine Sorge zu tragen braucht, sind sie in der
That für die erste Zeit des Lebens von nur geringerem Belang.
— Bei dem Aufbau der geistigen Welt aus den Eindrücken des
Gesichts-, Gehörs- und Tastsinnes sind es wieder der erste und
der letzte, welche namentlich in ihrem Zusammenwirken von ganz
hervorragender Wichtigkeit sind. Erschliefst uns der Gesichts-
sinn allein, der überhaupt unter allen Sinnen uns die meisten Ein-
drücke zuführt, weil sein Wirkungskreis viel weiter reicht als der
irgendeines anderen Sinnes, die Welt des Lichtes und der Farben,
so vermittelt er, vom Tastsinn unterstützt und in Verbindung mit
ihm, die Auffassung der räumlichen Ausdehnung und Entfernung,
von Flächen, Körpern und Gestalten. Daher begnügt sich der
Säugling auch keineswegs mit dem blofsen Sehen eines Gegen-
standes, sondern er versucht stets ihn zu betasten und zu er-
greifen, um ihn genauer als durch das blofse Sehen kennen zu
lernen, und um sich überhaupt von seinem wirklichen Dasein zu
überzeugen. Und zwar betastet das kleine Kind die Gegenstände
nicht blofs mit seinen Fingern, sondern auch, ja ganz vorzugsweise
mit seinen Lippen. Nicht um alles, was es sieht, zu kosten oder
zu essen, wie man gewöhnhch glaubt, führt das Kind die ver-
schiedensten Sachen, die es sieht und ergreifen kann, an den
Mund, sondern um sie mit den Lippen zu betasten, weil deren
Tastnerven durch das Saugen früher entwickelt und geübt sind
als diejenigen der Finger. Bei solchen und ähnlichen Tastver-
suchen gewahren wir aber auch, dafs das Kind, ehe es noch ge-
nügend viele und hinreichend bestimmte Tasterfahrungen ge-
sammelt hat, in Bezug auf Entfernung, Gestalt und Gröfse der
wahrgenommenen Gegenstände den stärksten Selbsttäuschungen
unterworfen ist. Beim Erwachsenen ist das anders; er vermag
zumeist ohne Zuziehung des Tastsinnes durch blofses Sehen sich
in der Aufsenwelt zurechtzufinden, weil er zu jeder Gesichtswahr-
nehmung einen Schatz längst erworbener Tasterfahrungen mit-
bringt und unwillkürlich, unbewufst dabei mitverwendet. Behufs
einer genügenden Auffassung der Aufsenwelt mufs der Säugling
aufser dem Gesichts- und dem Tastsinn aber in sehr vielen Fällen
auch noch den Gehörssinn zu Hilfe nehmen. Wir beobachten da-
her, dafs er mit besonderer Aufmerksamkeit auf Töne lauscht,
tönende Gegenstände sich gerne ans Ohr hält oder halten läfst