Boekgegevens
Titel: Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
Auteur: Bergemann, Paul
Uitgave: Gera: Theodor Hofmann, 1900
Auteursrechten: Zie auteursrechten
Citeerinstructie: Bijzondere Collecties van de Universiteit van Amsterdam, UBM: IWO 670 J 10
URL: https://schoolmuseum.uba.uva.nl/bookid/LCSM_200003
Onderwerp: Pedagogiek: sociale pedagogiek
Trefwoord: Sociale pedagogiek, Handboeken (vorm)
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   Soziale Pädagogik auf erfahrungswissenschaftlicher Grundlage, und mit Hilfe der induktiven Methode, als universalistische oder Kultur-Pädagogik
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312 III- Teil. Der theoretisclie Aufbau der sozialen Erziehungslehre.
und des Mädchens die Gegenüberstellung der geistigen und der
körperlichen Welt, der Welt der Selbst- und der Sinneswahr-
nehmung. Handelt es sich dort um die Objektivatio n der
äufseren, so hier um die der inneren Welt.
§ 37.
Im Säuglingsalter überwiegt ganz entschieden das
leibliche Leben des jungen Weltbürgers. Das gilt vor allem
von den ersten Wochen, in denen das Kind fast nur schläft und
Nahrung aufnimmt. Daher ist in dieser Zeit auch das körper-
liche Wachstum das stärkste und rascheste, stärker und rascher
als es uns je vrieder im Verlaufe des ganzen übrigen Lebens be-
gegnet. Dennoch geht, wie die Erfahrung lehrt, beim mensch-
lichen Säugling die leibliche Entwickelung wesentlich langsamer
vor sich als bei irgend einem Tiere. Dieser Umstand weist uns
darauf hin, dafs das leibliche Leben beim Menschen nicht Zweck,
sondern nur Mittel zum Zweck ist. Denn blofs bei einer der-
artig verhältnismäfsig langsamen Entwickelung kann das geistige
mit dem leiblichen Leben einigermafsen gleichen Schritt halten
und vor der Gefahr bewahrt bleiben, durch eine zu frühzeitige
Verselbständigung des leiblichen Lebens beeinträchtigt, nieder-
gehalten und in seiner freien Bewegung gehemmt zu werden.
Ferner bedingt die langsame leibliche Entwickelung des Menschen
eine längere Hilflosigkeit und Abhängigkeit des Kindes, und dies
ist wieder die Bedingung einer weniger oberflächlichen, einer
tiefer gehenden erziehlichen Einwirkung.
Aber nicht nur in körperlicher Hinsicht entwickelt sich das
Leben des Neugeborenen; sondern mit der Entwickelung des leib-
lichen Lebens geht Hand in Hand, wenngleich langsamer fort-
schreitend, die des geistigen Lebens. Dieselbe dokumentiert
sich in der Entfaltung der Sinne und der Erlernung der
Sinneswahrnehmungen. Von besonderer Wichtigkeit für das
geistige Leben sind der Gesichts-, der Tast- und der Gehörssinn,
während der Geruchs-, der Geschmacks- und der Temperatursinn
von mehr nebensächlicher Bedeutung sind. Die Erkenntnis der
Aulsenwelt wird ja vornehmlich durch die erstgenannten drei Sinne
vermittelt, und an dieser Erkenntnis wächst allmählich das geistige
Leben empor. Mit Hilfe des Gesichts-, des Tast- und des Gehörs-
sinnes lernt das Kind die Aufsenwelt in ihren allgemein wich-
tigen Zügen kennen; Geschmacks-, Geruchs- und Temperatursinn
fügen dann gewissermafsen nur noch eine Reihe feinerer Züge hinzu.